Regierungspräsidium Kassel

RP pflanzt mit Kindern der Schäferlandschule Helsa eine Roteiche beim Jugendwaldheim Meißner

Die Wälder in NordOstHessen stehen unter starkem Druck. Stürme, Borkenkäfer, Hitze und Trockenheit machen den Bäumen zu schaffen. So auch auf dem Hohen Meißner im Forstamt Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis). Im Vorfeld des „Internationalen Tags des Waldes“ hat Regierungspräsident Mark Weinmeister hier symbolisch Bäume für den Walderhalt in der Region gepflanzt.

Gemeinsam mit 35 Kindern der Schäferlandschule Helsa, dem Leiter des Jugendwaldheims Meißner Lothar Freund und dessen Team pflanzte Mark Weinmeister bei einem Waldeinsatz auf dem Hohen Meißner nahe dem Jugendwaldheim Meißner eine Roteiche, den Baum des Jahres 2025. Außerdem pflanzten sie rund 200 Weißtannen auf einer Schadfläche des Hohen Meißners.

„Es freut mich zu sehen, wie Schulklassen aus der Region hierherkommen und in der Natur lernen. Das Jugendwaldheim Meißner leistet mit seiner Bildungsarbeit einen wichtigen Beitrag, dass junge Menschen die heimischen Wälder entdecken und sich für deren Erhalt einsetzen“, betonte Regierungspräsident Weinmeister. „Der heutige Waldeinsatz stimmt mich sehr positiv, was unsere Zukunft angeht. Die Herausforderungen für unsere Wälder werden angesichts des fortschreitenden Klimawandels nicht kleiner. NordOstHessen ist eine der waldreichsten Regionen Deutschlands und diesen ,Standortfaktor‘ müssen wir mit aller Kraft pflegen. Dafür engagieren sich auch die Mitarbeitenden meiner Oberen Forstbehörde Tag für Tag im Zusammenspiel mit HessenForst, den Landkreisen, den Waldbesitzenden und anderen Mitwirkenden wie dem Jugendwaldheim Meißner. Lassen Sie uns weiterhin gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten, damit unsere Wälder ihre wichtigen Nutz-, Schutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktionen auch künftig behalten.“

Lothar Freund, Leiter des Jugendwaldheims Meißner, sagte über die Arbeit des Jugendwaldheims: „Für uns ist es besonders wichtig, dass unsere kleinen Besucher die vielfältigen Funktionen des Waldes mit seinen Bewohnern kennenlernen, Kreislaufprozesse entdecken und die besondere Bedeutung des Waldes im Hinblick auf CO2-Speicherung und somit den Klimaschutz verstehen. Dies erreichen wir mit spielerischen Aktionen, Waldforscherprogrammen und unseren praktischen Waldeinsätzen. Jährlich nutzen ca. 1700 Schülerinnen und Schüler unsere Programmangebote.“

Die Bäume wurden im Rahmen eines waldpädagogischen Einsatzes gepflanzt, der typisch für das Konzept des Jugendwaldheims Meißner ist. Das Jugendwaldheim Meißner ist eine Einrichtung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Es kooperiert mit dem Forstamt Hessisch Lichtenau, auf dessen Flächen die jungen Menschen bei Baumpflanzungen, Naturschutz- und Waldpflegearbeiten aktiv werden können. In Hessen gibt es drei weitere Jugendwaldheime, die mit einer ähnlichen Programmatik arbeiten. Jugendwaldheime als außerschulische Lernorte haben eine lange Tradition. Seit 1948 gibt es Jugendwaldeinsätze in Deutschland. Ursprünglich stand die Hilfe beim Aufforsten des durch den Krieg zerstörten Waldes im Vordergrund. Heute sind Jugendwaldheime moderne Umweltbildungseinrichtungen und werden von allen Schulformen als außerschulische Lernorte genutzt.

Die aus Nordamerika stammende Roteiche wurde ab dem 17. Jahrhundert zunächst als Park- und Alleebaum in Europa angebaut. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gewinnt sie auch in der Forstwirtschaft an Bedeutung. Die großen, spitzen Blätter des bis zu 35 Meter hohen Baumes färben sich im Herbst tiefrot. Ihr Holz weist im Kern ebenfalls eine rötliche Färbung auf und wird als Bau- und Konstruktionsholz sowie als Furnierholz verwendet. Mit ihren langen Wachstumsperioden und den hohen Wuchsleistungen ist sie besonders anpassungsfähig gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels. Darüber hinaus wird die Roteiche in vielen Nadelwäldern als Brandschutz angepflanzt. Die säurehaltigen Blätter verhindern eine weitere Bodenvegetation, was die Ausbreitung des Feuers eindämmt.

Weißtannen werden unter einem Fichtenschirm (aufgelockerter Altbestand) gepflanzt, um geschützt durch die älteren Fichten einen klimastabileren und standsicheren Neubestand zu begründen. Die Tanne erschließt im Gegensatz zur Fichte mit ihrem tiefreichenden Wurzelsystem auch schwere Böden, ist weniger trockenheitsanfällig und widersteht Stürmen deutlich besser. Unter den sich gegenwärtig ändernden Klimaverhältnissen ist sie auf einem großen Teil der Waldstandorte eine Baumart mit Zukunft. Die Weißtanne bildet gemeinsam mit der Buche, ggf. mit Fichte und Lärche oder Douglasie sowie Begleitbaumarten wie Eberesche und Birke Bergmischwälder des montanen bis obermontanen Berglandes. Besonders auf staunässegeprägten Standorten leistet die Weißtanne einen wichtigen Beitrag zu einer höheren Stabilität und dem Aufbau stabiler, auch klimastabiler naturnaher Mischwälder.

 

Hintergrund:

Wald im Dauerstress

Nach Auswertungen der Oberen Forstbehörde beim RP Kassel haben die Jahre 2018 bis 2022 den Wald im Regierungsbezirk stark in Mitleidenschaft gezogen; die Situation passt damit ins hessen- und bundesweite Gesamtbild. Neben dem Sturmtief „Friederike“ vom 18. Januar 2018 haben auch die langanhaltende Hitze und Trockenheit der zurückliegenden Jahre die Waldbestände gestresst, wodurch Borkenkäfer und andere Schadorganismen ideale Brutbedingungen hatten. Dies in Summe hat zu einer bisher ungekannten Schadsituation geführt. Hessenweit sind nach Zahlen des Hessischen Landwirtschafts- und Forstministeriums rund 90.000 Hektar Kahlflächen entstanden, was in etwa zehn Prozent der hessischen Waldfläche entspricht. Insbesondere die Fichte ist betroffen, aber auch die Hessens Wälder prägende Buche. Dabei galt die Buche bisher als relativ klimaresistent.

Internationaler Tag des Waldes

Der Internationale Tag des Waldes wird seit 1971 alljährlich am 21. März, zum Frühlingsanfang, begangen. Erklärtes Ziel ist, das Bewusstsein und Wissen um die Erhaltung und nachhaltige Entwicklung aller Arten von Wäldern zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen zu fördern. Neben der herausragenden Bedeutung der Wälder als Lebensraum für Pflanzen und Tiere soll auch die besondere Bedeutung des Waldes und einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung für die Bekämpfung der globalen Armut geschaffen werden. Es wird von Experten geschätzt, dass weltweit etwa zwei Drittel aller Arten, zumindest teilweise, auf Wälder als Lebensraum angewiesen sind.

Obere Forst- und Jagdbehörde

Die Wertschätzung des Waldes findet in Deutschland ihren Ausdruck nicht zuletzt im Bundeswaldgesetz und im Hessischen Waldgesetz. Diese stellen den Wald wegen seiner besonderen Bedeutung für die nachhaltige Holzproduktion, als Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, die positiven Auswirkungen auf den Naturhaushalt, den Boden, das Grundwasser und das Klima unter besonderen Schutz. Nicht zu vergessen ist, dass der Wald auch ein Ort für die Menschen ist, um Ruhe und Erholung zu finden oder sich dort sportlich zu betätigen.

In diesem Zusammenhang nimmt das Regierungspräsidium Kassel als Obere Forstbehörde (OFB) wichtige Aufgaben für den Schutz und die Entwicklung der Wälder in der Region und teilweise für ganz Hessen wahr. Daneben ist die Obere Jagbehörde (OJB) für das gesamte Land Hessen ebenfalls am Regierungspräsidium Kassel angesiedelt.

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