Mindestens einmal jährlich tauschen sich die Beteiligten an der Maßnahmenplanung in NordOstHessen mit der Oberen Naturschutzbehörde (ONB) des Regierungspräsidiums (RP) Kassel über aktuelle Themen und Herausforderungen aus. Am 24. März 2026 kamen rund 50 Akteure und Beteiligte zum Jahrestreffen in den Walter-Lübcke-Saal des RP Kassel. Die Maßnahmenplanung ist ein wichtiges Instrument im Natur- und Umweltschutz, um langfristig und konkret vor Ort zu planen, Lebensräume zu schützen und gesetzliche Anforderungen im Naturschutz zu erfüllen.
An dem Treffen teilgenommen haben u. a Vertreterinnen und Vertreter des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, der regionalen Forstämter und Landschaftspflegeverbände, der Landkreise im Regierungsbezirk Kassel sowie Mitarbeitende der Oberen Naturschutzbehörde beim RP Kassel. Neben allgemeinen Informationen der ONB zur Maßnahmenplanung bildeten bei diesem Jahrestreffen ausgewählte Fachvorträge die Basis für anschließende Arbeitsgruppen, in denen ein intensiver Austausch stattfand.
Bei der Eröffnung des Jahrestreffen wurde der aktuelle Stand zum Vertragsverletzungsverfahrens bezüglich des unzureichenden Schutzes der Mähwiesen der Europäischen Union gegen Deutschland vorgestellt. Hintergrund sind nicht hinreichend umgesetzte Maßnahmen, um Flachlandmähwiesen als Lebensraum für Pflanzen, Tiere, Vögel und Insekten zu schützen. Hier stehen aktuell Strafzahlungen gegen die Bundesrepublik im Raum. Die ONB trägt für ganz NordOstHessen Daten zusammen, inwiefern Maßnahmen zum Erhalt dieser Flächen, die unter die europäische FFH-Richtlinie fallen, umgesetzt wurden. Die größte Herausforderung für alle Akteure der Maßnahmenplanung bleibt es, mit den Flächeneigentümern und landwirtschaftlichen Betrieben vor Ort im Gespräch zu bleiben und gemeinsam Wege zu finden, die Vorgaben umzusetzen.
In einem weiteren Vortrag wurde die Überarbeitung der Maßnahmenpläne für die gemeldeten Natura 2000-Gebiete erläutert. Diese Bewirtschaftungspläne sind die Grundlage der Maßnahmenumsetzung und der Vollzugskontrolle und müssen den aktuellen Bedingungen angepasst werden, wenn hier neue Erkenntnisse zu den Gebieten ermittelt wurden. Die Natur ist dynamisch und demensprechend werden die Gebiete in regelmäßigen Abständen kartiert. In einem nächsten Schritt werden die Ergebnisse in Gebietskonferenzen der örtlichen Landwirtschaft, Verbänden und Behörden vorgestellt. Die neuen Ergebnisse werden in die Bewirtschaftungspläne eingebunden, was durch die örtlich zuständigen Institutionen, den Landkreisen und Forstämtern in Zusammenarbeit mit dem RP Kassel erfolgt.
Nach den Vorträgen gaben Teilnehmende vier Impulsvorträge zu ausgewählten Themen. Anschließend wurde in Kleingruppen über die Impulse diskutiert:
- Lupinenbekämpfung: Invasive Arten der Pflanzengattung der Lupinen gefährden den Lebensraum der Mähwiesen. In dem Vortrag wurden Wege besprochen, eine weitere Ausbreitung zu verhindern und Mähwiesen als Lebensraum zu erhalten.
- Laubfrosch Maßnahmen: Der Europäische Laubfrosch ist in ganz Deutschland verbreitet, stellenweise aber vom Aussterben bedroht. Mit dem Impulsvortrag wurden Maßnahmen für den Laubfrosch vorgestellt. Als größte Hindernisse einer praktischen Umsetzung wurden fehlende Abstimmungen zwischen vielen Akteuren und Probleme bei der Bodenentsorgung zur Diskussion gestellt.
- Entbuschung von Schwarzdornbeständen: Sollen Schwarzdornbestände von Magerrasen entbuscht werden, wird dies oft mit Baggern getan, welche die Büsche mit Wurzel entfernen. Diese Methode und mögliche Alternativen wurden diskutiert.
- Anlage von Blänken in Vogelschutzgebieten: Blänke oder Tümpel, also kleine, flache Stillgewässer dienen Vögeln als Rastplatz. Während des Vortrags und anschließend wurde darüber diskutiert, wie diese kleinen Wasserflächen angelegt und erhalten bleiben können.
Die Teilnehmenden begrüßten die Veranstaltung. Die Organisation mit Vorträgen und Diskussion über Fachthemen wurde als sehr bereichernd aufgenommen. Vor diesem Hintergrund wurde ein weiteres Treffen im Oktober dieses Jahres gewünscht. Das vorherige Jahrestreffen der Maßnahmenplaner in NordOstHessen fand im November 2025 statt.
Hintergrund:
Die Obere Naturschutzbehörde (ONB) beim Regierungspräsidium Kassel koordiniert die fachliche Planung und Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen im Regierungsbezirk Kassel. Teil ihrer Aufgaben ist es, Maßnahmenpläne zu erstellen und fortzuschreiben sowie deren Umsetzung fachlich zu begleiten. Zudem vermittelt die ONB zwischen den beteiligten Stellen in der Maßnahmenplanung, den Kommunen, Flächeneigentümerinnen und -eigentümern sowie den Landnutzenden.
Die Region NordOstHessen zeichnet sich besonders durch eine vergleichsweise große Anzahl an Natura 2000-Gebieten, die ein hohes Maß an Maßnahmenplanung erfordern, aus. Gleichzeitig ist die Region geprägt durch eine starke Land- und Forstwirtschaft. Die Anforderungen beider Bereiche auszugleichen und bestmöglich aufeinander abzustimmen, ist Kernaufgabe der Maßnahmenplanung.