Das Regierungspräsidium (RP) Kassel freut sich mit der Künstlerin Natascha Sadr Haghighian, der am 4. September in Münster der mit 50.000 Euro dotierte LVM-Kunstpreis verliehen wurde. Die international renommierte Künstlerin erhielt die Auszeichnung für das Werk „86° Walter Halit“, das genau ein Jahr zuvor, am 4. September 2025, auf dem Dach des RP-Gebäudes am Kasseler Steinweg eingeweiht wurde.
Das Kunstwerk setzt sich mit den rechtsextremistischen Morden an Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke und dem NSU-Opfer Halit Yozgat auseinander. Es entstand aus einem Kunstwettbewerb, den Mitarbeitende des RP Kassel nach der Ermordung Walter Lübckes 2019 initiiert hatten. Das Kunstwerk ist vollständig aus Spenden finanziert.
Regierungsvizepräsident Rolf Richter, der bei der Verleihung zugegen war, gratulierte der Künstlerin herzlich zu der Auszeichnung: „Seit einem Jahr hat unserer nüchternes Behördengebäude einen weithin sichtbaren Farbakzent auf dem Dach. In Spektralfarben leuchten die Namen Walter und Halit in die Dunkelheit. Ein starkes Zeichen gegen das Vergessen, das gleichzeitig mahnt und aufrüttelt. Ich bin stolz darauf, dass wir mit Frau Haghighian dieses herausragende Kunstwerk realisieren konnten und so das Andenken an Halit Yozgat und an unseren Behördenleiter Walter Lübcke wachhalten. Die Auszeichnung mit dem LVM-Kunstpreis ist eine schöne Würdigung der Arbeit Frau Haghighians, die in vielen ihrer Werke Hass und Extremismus eine künstlerische Antwort entgegensetzt.“
Das RP Kassel hat die Realisierung des Kunstwerkes zusammen mit dem Verein Bewegungsperspektiven für Licht, Kunst und Kultur e.V. umgesetzt. Dessen 1. Vorsitzender Günter Schleiff (zugleich Architekt des Kunstwerks) sagte: „Wir gratulieren Natascha Sadr Haghighian zu diesem Preis! Das Kunstwerk stärkt das notwendige Gedenken an die schändlichen, von Rechtsradikalen verübten Morde an Walter Lübcke und Halit Yozgat. Wir, die Mitglieder unseres Vereins ,Bewegungsperspektiven für Licht, Kunst und Kultur‘ sind erfüllt mit Stolz, es für sie realisiert zu haben.“
Weiterer Kooperationspartner bei der Realisierung des Kunstwerks war die Bürgerstiftung für Stadt und Landkreis Kassel. Ingo Buchholz, Vorsitzender des Vorstandes der Bürgerstiftung für die Stadt Kassel und den Landkreis Kassel, sagte: „Das ausgezeichnete Kunstwerk 86° Walter Halit ist ein leuchtendes Denkmal für die Demokratie und eine offene Gesellschaft. Es reicht weit über die Stadt Kassel hinaus und ist somit ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen, das aktuell wichtiger ist als je zuvor. Ich gratuliere der Künstlerin Natascha Sadr Haghighian zur Auszeichnung mit dem LVM-Kunstpreis.“
Jury würdigt „markantes visuelles Signal im Stadtraum“
Die LVM-Versicherung hat 2026 erstmals den LVM-Kunstpreis für Kunst im öffentlichen Raum. vergeben. Der Preis soll alle zwei Jahre herausragende, bereits realisierte Kunstwerke im öffentlichen Raum in Deutschland würdigen. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und beinhaltet neben dem Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro eine Ausstellung auf dem LVM-Campus sowie Diskurs-Veranstaltungen in Münster.
Eine renommierte Fachjury aus Kunst, Kulturwissenschaft und urbaner Architektur hat über die Vergabe des Preises entscheiden. Die Entscheidungsjury 2026 umfasst: Dr. Andreas Beitin (Direktor Kunstmuseum Wolfsburg), Elke Buhr (Chefredakteurin Magazin Monopol), Noura Dirani (Direktion Kunsthalle St. Annen Lübeck), Adrian Kowanz (Kurator und Kunstwissenschaftler), Britta Peters (Künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr in Bochum), Dr. David Zink Yi (Professor für Bildhauerei Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) und Monika Schäfer-Althoff (LVM-Kulturbeauftragte).
Das Kunstwerk „86° Walter Halit“ setzte sich unter sechs nominierten Beiträgen durch. Zur Begründung führte die Jury aus, das Kunstwerk setze „ein markantes visuelles Signal im Stadtraum und reg[e] den gesellschaftlichen Diskurs über die Zukunft des demokratischen Zusammenlebens an. [….] 86° Walter Halit steht als künstlerisch anspruchsvolles Zeichen für Demokratie, Wachsamkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Das Werk leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur mitmenschlichen Kultur unserer Zeit. [Eine] Arbeit, die beispielhaft zeigt, welche Wirkung Kunst im öffentlichen Raum entfalten kann – als hochqualitatives Kunstwerk ebenso wie als Mahnmal und Impulsgeber für gesellschaftliche Debatten.“
Weitere Informationen zum LVM-Kunstpreis: https://www.lvm.de/unternehmen/die-lvm/lvm-kunstpreisÖffnet sich in einem neuen Fenster
Über das Kunstwerk „86° Walter Halİt“
86° WALTER HALİT ist ein zweischenkliges Lichtobjekt. In großen Lettern sind die Namen Walter und Halit zu lesen. Die beiden Namen weisen in verschiedene Himmelsrichtungen und treffen sich in einem Winkel von 86°. Das Objekt scheint wie eine zusätzliche Ecke über den nordöstlichen Rand des Daches hinauszuragen. Hinter den Namen verlaufen Spektralfarben von Gelb-Orange zu Magenta-Violett. Die Namen WALTER und HALİT sind in dem Schriftfont MARTIN gesetzt, benannt nach dem Schwarzen US-Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. Der Font beruht auf Posterkampagnen der Bürgerrechtsbewegung und steht für eine Kontinuität von antirassistischen Kämpfen.
Der Name Walter schaut in Richtung Wolfhagen-Istha, wo Dr. Walter Lübcke wohnte und wo er ermordet wurde. Der Name Halit schaut in Richtung Holländische Straße, wo Halit Yozgat lebte und wo er ermordet wurde. Die beiden schauen also sozusagen nach Hause.
Das aus Spenden finanzierte Kunstwerk 86° WALTER HALİT von Natascha Sadr Haghighian ist am 4. September 2025 im Rahmen einer Festveranstaltung auf dem Dach des Regierungspräsidiums im Zentrum Kassels feierlich eingeweiht worden.