Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kommunen, Ingenieurbüros und der Bauwirtschaft haben am 18. September eine Informationsveranstaltung zum Thema „Sekundärbaustoffe im Straßen- und Tiefbau – Praxisimpulse zu Einsatzgründen, technischen Anforderungen und Vergabespielräumen“ im Regierungspräsidium (RP) Kassel besucht. Ausrichter waren der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen e.V., der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V., das RP Kassel als Obere Abfallbehörde sowie die Nachhaltigkeitsallianz Hessen.
Die Veranstaltung fand im Rahmen des 2018 erstmals initiierten Runden Tischs „Entsorgung von Erdaushub und mineralischem Bauschutt" für die Region NordOstHessen statt, an dem Verbände, RP Kassel, Autobahn GmbH des Bundes, HessenMobil sowie öffentliche und private Akteure der Region beteiligt sind.
Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Birgitt Krumminga, Leiterin der Abteilung III – Umweltschutz beim RP Kassel. Frau Krumminga ging auf die historische Entwicklung in der Abfallwirtschaft ein, von den Verbringungsverboten für Deponien in den 1990er-Jahren über die Arbeit des Runden Tisches bis hin zur heutigen Ersatzbaustoffverordnung (EBV). Sie machte dabei deutlich, warum das Thema Sekundärbaustoffe für den Straßen- und Tiefbau nach wie vor relevant ist und sogar an Relevanz gewinnt.
Im weiteren Verlauf des Vormittags beleuchteten die Referentinnen und Referenten das Thema Sekundärbaustoffe aus unterschiedlichen Perspektiven:
- Dr. Frank Braunisch (Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt) ordnete Fragen der Abfalleigenschaft, Zwischenlagerung und Verwertung von Bodenmaterial bereits im Planungsstadium ein.
- Michael Knott (Bickhardt Bau SE) stellte die technische Gleichwertigkeit von Sekundärbaustoffen im Straßen- und Tiefbau dar.
- Dr. Johannes Klein (Industrieverband Steine und Erden e.V.) zeigte die rechtlichen Spielräume bei der Ausschreibung mineralischer Ersatzbaustoffe auf.
- Prof. Dr. techn. David Laner (Universität Kassel) erläuterte Berechnungsmethoden für den CO2-Fußabdruck von Sekundärbaustoffen als Entscheidungskriterium.
- Jakob Feiler (agc abfallwirtschaft GmbH) und Ralph Schmidt (Ingenieurbüro Gröticke und Partner GmbH) gingen abschließend auf die praktische Ausgestaltung von Ausschreibung und Leistungsbeschreibung nach der Ersatzbaustoffverordnung ein.
Deutlich wurde in den Beiträgen und der anschließenden Diskussion, dass der Einsatz von Sekundärbaustoffen sowohl aus Sicht der Kreislaufwirtschaft als auch ökonomisch sinnvoll ist, in der praktischen Umsetzung jedoch weiterhin Unsicherheiten bei der Akzeptanz am Markt und bürokratischen Hürden bestehen. Ein abschließendes Diskussionsforum mit allen Referenten bot Gelegenheit, offene Fragen aus dem Plenum aufzugreifen.
Weitere Veranstaltungen zur Thematik werden folgen.
Hintergrund
Seit dem 1. August 2023 ist die Ersatzbaustoffverordnung (EBV) in Kraft. Damit wurden erstmalig bundeseinheitliche Regelungen für die Verwertung mineralischer Abfälle festgelegt. Diese sind sinnvoll und notwendig, denn mineralische Abfälle sind mit mehr als 260 Mio. Tonnen pro Jahr der mengenmäßig größte Abfallstrom in Deutschland. Dieser Abfallstrom unterteilt sich in Bau- und Abbruchabfälle sowie industrielle Aschen und Aschen aus der Hausmüllverbrennung.
Die EBV hat vorrangig den Schutz von Mensch und Umwelt vor Schadstoffen – insbesondere den Schutz von Böden und Grundwasser bei der Verwendung mineralischer Ersatzbaustoffe – zum Ziel. Gleichzeitig soll im Sinne der Kreislaufwirtschaft die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen vermieden werden, indem möglichst hohe Verwertungsquoten für mineralische Abfälle erreicht werden.
Die Anforderungen der EBV an mineralische Ersatzbaustoffe führen auch zu erhöhten Anstrengungen und Kosten für Hersteller und Verwender sowie zu einem größeren Aufwand der zuständigen Aufsichtsbehörden. Vor diesem Hintergrund ist es von hoher Bedeutung, dass sich die in der Bauwirtschaft beteiligten Akteure in NordOstHessen austauschen, um bestehende Problematiken genauso wie Themen des aktuellen Tagesgeschäfts zu erörtern.
Weitere Informationen:
https://rp-kassel.hessen.de/umwelt/abfall/abfallnews/ersatzbaustoffverordnung
Über den „Runden Tisch“
Die Veranstaltung fand – unter dem Dach der Nachhaltigkeitsallianz Hessen – im Rahmen des „Runden Tisches“ statt, der seit 2018 Teilnehmende aus der Bauwirtschaft sowie den zuständigen Behörden zusammenbringt, um Probleme zu identifizieren und praktische Beispiele zur Lösung vorzustellen. Zielgruppe der Veranstaltung sind kommunale Auftraggeber, Verantwortliche und Mitarbeitende von Ver- und Entsorgungsunternehmen, größere private Auftraggeber, Ingenieurbüros sowie Entsorgungs- und Bauunternehmen.
Weitere Informationen:
https://www.nachhaltigkeitsallianz-hessen.de/Öffnet sich in einem neuen Fenster