Regierungspräsidium Kassel

RP WEINMEISTER BESUCHT AROLSEN ARCHIVES UND TAUSCHT SICH MIT DIREKTOR WEIN AUS

Weltgrößtes Archiv zu Opfern des Nationalsozialismus befindet sich im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Regierungspräsident Mark Weinmeister hat zusammen mit einer Gruppe Mitarbeitender des Regierungspräsidiums (RP) Kassel am 18. August die Arolsen Archives in Bad Arolsen (Landkreis Waldeck-Frankenberg) besucht. Dort tauschte Weinmeister sich mit dem seit April 2026 amtierenden Direktor Moritz Wein aus und besichtigte die museale Ausstellung, die Archivräume und das Baufeld für den bis 2028 entstehenden Neubau eines modernen Archivgebäudes.

Die Arolsen Archives sind das weltweit größte Archiv über Opfer und Überlebende des Nationalsozialismus. Es umfasst mehr als 30 Millionen Dokumente zu Holocaustopfern, Inhaftierten, Zwangsarbeitern und Überlebenden. 1948 als „International Tracing Service“ (ITS) gegründet, dienten die Suchkarteien und die aus zahlreichen KZs und Behörden des Dritten Reichs zusammengetragenen Unterlagen zunächst vor allem dazu, NS-Opfer zu dokumentieren und Überlebenden Hilfe leisten.

Über acht Jahrzehnte entstand so in Nordhessen ein zentrales Archiv über die grausamen Verbrechen der Deutschen in weiten Teilen Europas. Es enthält Millionen Geschichten über Verfolgung, Flucht, Inhaftierung und Vernichtung, aber auch Zeugnisse von Überleben, Fürsorge und Neuanfang. Inzwischen sind die Bestände weitgehend digitalisiert und sind zu großen Teilen im Internet öffentlich einseh- und recherchierbar. Jedes Jahr nutzen hunderttausende Menschen das Online-ArchivÖffnet sich in einem neuen Fenster. Bis heute beantworten die Arolsen Archives jährlich Anfragen von Angehörigen zu rund 25.000 NS-Verfolgten – mit steigender Tendenz. 2013 wurden die Bestände ins Weltdokumentenerbe „Memory of the World“ der UNESCO aufgenommen.

In der musealen Dauerausstellung der Arolsen Archives wie auch in den Archivräumlichkeiten erhielten Mark Weinmeister und die Besuchergruppe des Regierungspräsidiums umfassende Informationen zur Bestandsgeschichte und zu den oftmals tragischen Einzelschicksalen, die sich hinter den Millionen von Schriftstücken verbergen: Die Suche Überlebender nach ihren Angehörigen, der Kampf ehemaliger Zwangsarbeiter um eine Entschädigung oder die Odyssee heimatlos gewordener „Displaced Persons“ auf der Suche nach einem Aufnahmeland.

Zur Sprache kam dabei auch die umfangreiche Bildungsarbeit der Arolsen Archives, um das historische Wissen um die Naziverbrechen und die Schicksale der Opfer wachzuhalten: So beteiligen sich in der Crowdsourcing-Initiative „#everynamecounts“ bereits hunderttausende Freiwilligen an der digitalen Erfassung von Dokumenten. Holocaustleugnern, Geschichtsverzerrern und Extremisten treten die Arolsen Archives mit historisch fundierten Fakten und Aufklärungsarbeit entgegen.

Regierungspräsident Mark Weinmeister zeigte sich beeindruckt und dankte den Mitarbeitenden der Arolsen Archives für den umfassenden Einblick in die Arbeit der Institution: „Die Arolsen Archives bewahren nicht nur historische Dokumente, sondern geben den Opfern des Nationalsozialismus ihre Namen und ihre Geschichten zurück. Gerade in einer Zeit, in der extremistische Tendenzen in die Mitte der Gesellschaft vordringen und historische Bildung vermehrt durch Desinformation unterlaufen wird, ist diese Arbeit von unschätzbarem Wert. Erinnerung braucht konkrete Zeugnisse und Fakten – und sie braucht Menschen, die dieses Wissen an die nächsten Generationen weitergeben. Die Arolsen Archives leisten dafür einen herausragenden Beitrag, weit über die Grenzen Nordhessens hinaus. Ich danke Ihnen sehr herzlich für diesen hochinformativen und auch anrührenden Einblick in Ihre Tätigkeit.“

Mark Weinmeister nutzte den Besuch auch für einen Austausch mit dem neuen Direktor der Arolsen Archives, Moritz Wein, der seit April 2026 dieses Amt bekleidet. Neben einer weiteren Stärkung der Bildungsarbeit treibt Wein aktuell vor allem den Bau eines modernen Archivgebäudes voran, das bis 2028 in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Hauptgebäude errichtet wird.

„Der Neubau ist die Antwort auf eine Verpflichtung, die wir gegenüber den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus sowie ihren Angehörigen tragen“, so Moritz Wein. „Wir setzen alles daran die Dokumentation der Verbrechen dauerhaft zu bewahren – für die Gegenwart und für Generationen, die noch kommen."

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