Sie müssen sich darauf verlassen können, dass ein Düngemittel die angegebenen Inhaltsstoffe tatsächlich in der angegebenen Menge enthält und entsprechend wirkt. Beratung bei Fragen oder Zweifelsfällen erhalten Landwirtinnen und Landwirte bei der Düngemittelverkehrskontrolle des Regierungspräsidiums (RP) Kassel.
Eine kürzlich durchgeführte EU-weite Prüfkampagne zu Stickstoffdüngemitteln zeigte deutliche Defizite auf. Die deutschen Regierungspräsidien Kassel und Stuttgart kontrollierten zusammen mit den zuständigen Marktüberwachungsbehörden aus Österreich, Belgien, Irland, Polen und Slowenien 21 auf den jeweiligen Märkten angebotene Düngemittel mit Nitrifikations- und Ureasehemmstoffen. Überprüft wurde dabei, ob die Vorgaben der Europäischen Düngeprodukteverordnung eingehalten wurden. Bei 14 Proben (67%) wurden entweder die vorgeschriebenen Kennzeichnungsvorgaben nicht eingehalten oder es wurden fehlerhafte Angaben zum Gehalt an Hemmstoffen festgestellt.
Genau hier setzte die Arbeit des RP Kassel an. Gemeinsam mit den beteiligten Marktüberwachungsbehörden kontaktierte es die verantwortlichen Wirtschaftsbeteiligten, um die festgestellten Abweichungen zu klären. Die Unternehmen wurden aufgefordert, fehlerhafte oder ungenaue Kennzeichnungen zu korrigieren oder technische Unterlagen vorzulegen, anhand derer sich die Abweichungen zwischen den angegebenen und den analysierten Gehalten nachvollziehen lassen.
Das RP Kassel leistet damit einen Beitrag zur Stärkung des Verbraucherschutzes, indem es nicht konforme Produkte erkennt, Sachverhalte klärt und erforderliche Korrekturmaßnahmen einleitet.
Warum sind Hemmstoffe wichtig?
Nitrifikations- und Ureasehemmstoffe sorgen dafür, dass der Stickstoff im Boden langsamer umgewandelt wird und den Pflanzen somit über einen längeren Zeitraum hinweg zur Verfügung steht. Dadurch können Stickstoffverluste durch Auswaschung in das Grundwasser verringert und Ammoniakemissionen reduziert werden.
Stimmen die tatsächlichen Gehalte jedoch nicht mit den Angaben auf dem Produkt überein, kann dies die sachgerechte Anwendung erschweren. Ein zu geringer Gehalt kann beispielsweise dazu führen, dass Stickstoff verloren geht, bevor die Pflanzen ihn nutzen können. Anwenderinnen und Anwender müssen sich auf die ausgewiesene Wirkung der Produkte verlassen können.
Was können Landwirtinnen und Landwirte tun?
Sie haben Zweifel an der Wirksamkeit eines Düngemittels oder vermuten eine fehlerhafte Kennzeichnung? Wenden Sie sich an die für Sie zuständige Marktüberwachungsbehörde. In Hessen ist dies die Düngemittelverkehrskontrolle beim RP Kassel (Kontakt: landwirtschaft@rpks.hessen.de)Hinweise aus der Praxis können dabei helfen, mögliche Auffälligkeiten zu erkennen, zu prüfen und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten.
Zusätzlich gilt: Beachten Sie die Angaben auf dem Produkt zur Anwendung und Lagerung. So tragen Sie dazu bei, Düngemittel sicher und sachgerecht einzusetzen.
EU-weite Zusammenarbeit für sichere Produkte
Die Prüfung der Düngemittel war Teil der EU-weiten Marktüberwachungskampagne „Joint Actions on Compliance of Products“ (JACOP) 2025, die von der Generaldirektion der Europäischen Kommission (GD GROW), die für den Binnenmarkt, die Industrie, das Unternehmertum und kleine sowie mittlere Unternehmen zuständig ist, organisiert wurde.
JACOP ermöglicht es den Marktüberwachungsbehörden, Produkte gemeinsam zu bewerten, Risiken frühzeitig zu erkennen und sicherzustellen, dass Hersteller bei festgestellten Mängeln Korrekturmaßnahmen ergreifen. Die JACOP-Kampagne 2025 umfasste insgesamt elf Produkttypen, darunter Gasgrills, Sonnenschutzmittel, Bekleidung, gefährliche Stoffe in elektronischen Geräten und Schutzausrüstung.
Nächste Schritte: Einheitliche Standards für EU-Düngeprodukte
Auch über die aktuelle Prüfkampagne hinaus soll die Qualität und Sicherheit von EU-Düngeprodukten weiter gestärkt werden. Die Europäische Kommission setzt dazu ein Projekt zur Entwicklung von rund 120 Normen für EU-Düngeprodukte mit einem Gesamtbudget von 10 Millionen Euro um. Ziel ist es, harmonisierte Normen für CE-gekennzeichnete Düngemittel bereitzustellen und damit Sicherheit, Qualität und Umweltkonformität in der gesamten EU zu unterstützen.
Darüber hinaus soll der Leitfaden für das visuelle Erscheinungsbild von EU-Düngemitteletiketten aktualisiert werden. Einheitlichere und verständlichere Kennzeichnungen können dazu beitragen, dass Anwenderinnen und Anwender wichtige Produktinformationen leichter erkennen und richtig einordnen können.
Weitere Informationen (in englischer Sprache):