Einstufung und Bewertung

Wie gefährlich sind die verschiedenen Stoffe für das Wasser?

 

Die Zahl der bekannten chemischen Stoffe wird weltweit mit ca. 10 Millionen angegeben. Sie erhöht sich täglich um ca. 1.000 Stoffe. Die Weltproduktion an Chemieprodukten wurde innerhalb der letzen 100 Jahre von 1 auf 500 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert. Die Verdoppelung der Gesamtmenge vollzog sich in der Vergangenheit jeweils in Zeiträumen von 7-8 Jahren. Gezielt hergestellt werden in Europa bisher ca. 115.000 Stoffe, von denen weniger als 5.000 Stoffe mengenmäßig relevant sind. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht interessieren vor allem die chemischen Stoffe und ihre Verbindungen, die eine Gefahr für Oberflächengewässer und Grundwasser mit sich bringen.

 

Der Begriff "wassergefährdende Stoffe" ist im § 62 Abs.3 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) nur allgemein umschrieben: feste, flüssige und gasförmige Stoffe, die geeignet sind nachhaltig die physikalische, chemische oder biologische Beschaffenheit des Wassers nachteilig zu verändern.

 

Daher war es erforderlich, eine regelnde Verwaltungsvorschrift einzuführen. Die stoffspezifische Wassergefährdung wird von der Human- und Ökotoxizität, der Beständigkeit und dem Verteilungsverhalten von Stoffen in der Umwelt bestimmt. Mit den in Deutschland eingeführten Wassergefährdungsklassen (WGK) werden die Stoffe in 3 Gruppen (WGK 1 bis WGK 3) eingeteilt.

Ziel der Einordnung (Einstufung / Bewertung) wassergefährdender Stoffe ist es, bei Anlagen und beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen dem jeweiligen Gefährdungspotential Rechnung zu tragen, indem materielle Anforderungen und entsprechende Schutzvorkehrungen erforderlich werden.

 

Für den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen bestimmt das WHG, (§§ 62 u. 63), dass beim Lagern, Abfüllen, Herstellen, Behandeln und Verwenden wassergefährdender Stoffe in Anlagen keine nachteilige Veränderung der Eigenschaften des Wassers zu besorgen sein darf. Dieser Besorgnisgrundsatz, welcher auch in anderen Teilen des WHG (§§ 32, 45 und 48) verankert ist, wird so interpretiert, dass "keine noch so wenig naheliegende Wahrscheinlichkeit" einer Gewässerverunreinigung bestehen darf.

 

Die Kommission zur Bewertung wassergefährdender Stoffe (KBwS) führt die Einstufung in Wassergefährdungsklassen durch.

Die im Mai 1999 vom Bundesumweltministerium novellierte und am 27. Juli 2005 geänderte "Verwaltungsvorschrift wassergefährdende Stoffe (VwVwS)" enthält neben der Einstufung von etwa 2000 Stoffen in nicht wassergefährdende Stoffe (Anhang 1) und wassergefährdende Stoffe der WGK 1-3 (Anhang 2), eine rechtsverbindliche Vorschrift zur Berechnung der Wassergefährdungsklassen beliebiger Stoffmischungen (Anhang 4) sowie die WGK-Klassifizierung mit den Stoffkennzeichnungsregelungen (Gefahren (R)-Sätze) des europäischen Chemikalienrechts (Anhang 3). Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Umweltbundesamtes (siehe Link).

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