Verschleierung des Sternenhimmels

Die meisten Einwohner der urbanen Zentren dieser Welt leben unter einem lichtverschmutzten Himmel. Aus dem Weltall betrachtet, überzieht den Planeten ein immer dichter werdender Schleier von Lichtsmog. So wird der Nachthimmel künstlich aufgehellt, jedes Jahr mehr.

In dicht besiedelten Gebieten trifft das von unzähligen Quellen produzierte Licht auf Moleküle und Aerosole und verursacht so Lichtglocken, die bei großen Städten weit über hundert Kilometer zu sehen sind. Wer unter einer solchen Lichtglocke lebt, kann selbst in klaren Neumondnächten mit bloßem Auge nur noch die hellsten Sterne am Himmel erkennen. In Gebieten ohne störendes künstliches Licht sind hingegen in einer klaren Nacht etwa 2.000 Sterne zu sehen.

Die Astronomen schlugen zuerst Alarm

Dass die Nacht durch immer mehr künstliches Licht erhellt wird und vielerorts auf der Welt eine zunehmende Lichtverschmutzung festzustellen war, fiel zunächst jenen auf, die Dunkelheit brauchen, um ihrer Profession oder ihrem Hobby nachzugehen: den Astronomen. Zunehmend störte Lichtsmog ihren Blick auf den Himmel.

So schlugen sie Alarm. 1988 entstand die International Dark-Sky Association (IDA). Im Laufe der Jahre etablierte sie sich als maßgebliche Institution zum Schutz der Nacht. Als Fachinstanz verleiht die IDA weltweit die Zertifizierungen International Dark Sky Park, International Dark-Sky Reserve (Sternenpark) und Dark-Sky Community (Sternenstadt).

Zu den besorgten Astronomen gesellten sich dann mit der Zeit mehr und mehr Ökologen, Biologen und auch Ärzte. Sie wiesen auf die negativen Auswirkungen von zu viel künstlichem Licht auf Fauna und Flora hin. Im Zuge des weltweiten Insektensterbens gewann dieser Ansatz in den letzten Jahren zusätzlich an Brisanz. Parallel traten auch die Humanmediziner auf den Plan und warnten davor, dass der Einfluss von künstlichem Licht gesundheitliche Schäden bis hin zu Krebs hervorrufen kann.

Kulturgut der Menschheit

So zeigte sich, dass Lichtverschmutzung auf breiter Front ein zunehmendes Problem darstellt. Ein Meilenstein war die von der Starlight Initiative und anderen internationalen Organisationen im Jahre 2007 veröffentlichte Declaration in Defense of the Night Sky and the Right to Observe the Stars („Starlight Declaration“). Darin wurde festgehalten, dass der nächtliche Sternenhimmel ein Kulturgut der Menschheit (common heritage) ist und alle Menschen das Recht darauf haben, ihn zu sehen.

Verlust an Lebensqualität

Dass man heute vielerorts nur noch einen Teil der Sterne entdecken kann, empfinden viele als Verlust. Die Pracht des Sternenhimmels fasziniert die Menschen schon seit Urzeiten. Der jahreszeitlich wechselnde Lauf der Sterne hat wichtige kulturgeschichtliche Impulse gegeben. Die Beobachtung der Vorgänge am Himmel machte es möglich Zeitläufe zu messen und ermöglichte die Erstellung von Kalendern. Darüber hinaus half der Sternenhimmel den Menschen beim Navigieren, um die Erde zu erkunden. So sind die Sterne ein wertvolles Kulturgut und aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit nicht wegzudenken.

Verschleierung des Sternenhimmels
Verschleierung des Sternenhimmels

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