Beeinträchtigung der Schlafqualität

Lichteinwirkungen von vielen Seiten

Unter natürlichen Bedingungen sind alle Rhythmen in unserem Körper aufeinander abgestimmt und in Harmonie mit dem Tag-Nacht-Rhythmus als Taktgeber. Zur Feinjustierung unserer Inneren Uhr bedarf es regelmäßiger externer Signale oder Zeitgeber. Der stärkste äußere Faktor ist das Licht. Verändert sich deutlich die Lichtintensität, etwa bei Sonnenaufgang, geht unsere innere Uhr auf „Reset“ – und der Rhythmus beginnt wieder von vorn.

Ist die Veränderung der Lichtintensität zwischen Tag und Nacht nicht mehr klar genug ausgeprägt, auch weil wir bei Einsetzen der Dämmerung das Licht anschalten, wird der Impuls für die innere Uhr schwächer oder entfällt sogar ganz. Das stört die Synchronisation der Prozesse und kann zu gesundheitlichen Problemen führen.

Risiken der „Desynchronisierung“

Seit einigen Jahren beschäftigen sich die Wissenschaftler verstärkt mit den gesundheitlichen Folgen von Licht, das beim Schlafen stört. Künstliches Licht beeinflusst den für uns Menschen lebenswichtigen zirkadianen Tag-Nacht-Rhythmus. Der Nachtschlaf spielt dabei eine wichtige Rolle, denn in der Nacht laufen wichtige körperliche Prozesse ab.

Während wir schlafen, sinkt der Blutdruck, um das Herz-Kreislauf-System zu entlasten. Gleichzeitig fährt unser Immunsystem hoch. Ein großer Teil der Infektionsabwehr geschieht im Ruhezustand. Gesunder Schlaf fördert Lernprozesse und Gedächtnisleistung und im Schlaf werden die Informationen des Tages verarbeitet. Er ist Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.

Doch erst die Abwesenheit von Licht lässt unseren Körper das für die Nachtruhe unerlässliche Hormon Melatonin produzieren. In viele Schlafzimmer fällt jedoch störendes Licht durch Straßenlaternen, Leuchtreklamen oder die Außenbeleuchtung auf dem eigenen Grundstück. Im Schlaflabor vorgenommene Hirnstrom-Messungen zeigten einen deutlichen Unterschied zwischen Probanden, die im Dunkeln schliefen und Vergleichsgruppen, in deren Schlafzimmer Licht einfiel. Wer also zuhause keine effektive Verdunklungsmöglichkeit hat, kann langfristig negative Auswirkungen nicht ausschließen.

Denn bestimmte Nervenzellen auf der Netzhaut nehmen nur blaues Licht wahr und steuern den menschlichen Hormonhaushalt. So stören insbesondere die blauen Lichtanteile, wie sie in weißem Licht enthalten sind, die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.

Fehlendes Melatonin erschwert das Einschlafen und verzögert das Aufwachen. Der Ruhe-Rhythmus kommt durcheinander, die Qualität des Schlafes sinkt. Es entsteht ein Regenerationsdefizit und die Schutzmechanismen des Körpers werden geschwächt.

Das scheint auch der Tumorbildung Vorschub zu leisten. Bereits 2007 hat die Weltgesundheitsorganisation einen Zusammenhang zwischen hormonell bedingten Krebsarten (Prostata, Brust) und Schichtarbeit hergestellt.

Hessen-Suche