Inhalte, Prozess, Methoden und Beispiele

Inhalte / Beurteilungskriterien

 

Welche Inhalte und Beurteilungskriterien sind wichtig?

Ziel der Gefährdungsbeurteilung ist die Erfassung und Bewertung der psychischen Belastung einer Tätigkeit bzw. der Arbeitsumgebung und nicht der persönlichen Stärken und Schwächen der Beschäftigten.

Wichtige Inhalte sind:

 

Arbeitsaufgabe, z.B.

  • Vollständigkeit der Tätigkeit (mit vorbereitenden, ausführenden und nachbereitenden Aufgaben)
  • Verantwortung
  • Information
  • zeitlicher und inhaltlicher Handlungsspielraum
  • Vorhersehbarkeit, Beeinflussbarkeit
  • emotionale Inanspruchnahme
  • körperliche Abwechslung
  • Qualifikation, Nutzung- und Erweiterung

Arbeitsorganisation, z.B.

  • Übereinstimmung der Vorgaben von Leistungs- und Realisierungsbedingungen (organisatorisch, technisch, personell)
  • Arbeitsanfall und Arbeitsablauf: Ausgeglichenheit des Arbeitsanfalls über die Arbeitszeit (Stoßzeit)
  • Unterbrechungen des Arbeitsablaufes durch Aus-fälle (z.B. durch Maschinen, Wartezeiten)
  • Transparenz in den Arbeitsabläufen und bzgl. der Erwartungen und der Vorhersehbarkeit

Soziale Bedingungen, z.B.

  • Führungsverhalten, Mitsprache der Beschäftigten
  • Verhalten der Kollegen, Gruppenverhalten

Arbeitsplatz- und Arbeitsumgebung, z.B.

  • Einrichtung des Arbeitsplatzes
  • Lärm, Beleuchtung, Klima
  • Verfügbarkeit geeigneter Arbeitsmittel

Gestaltung der Arbeitszeit, z.B.

  • Vorgaben des Arbeitszeitgesetz zur Arbeitszeitge-staltung: Länge, Lage und Pausen
  • arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu flexiblen Arbeitszeitformen – insbesondere Schicht-, Nacht-, und Wochenendarbeit

Wie können Sie die Ergebnisse dokumentieren?

Die Dokumentation nach § 6 ArbSchG muss keinem festgelegten Muster entsprechen. Es kann sich um Unterlagen in Papierform oder aber auch in Form elektronisch gespeicherter Dateien handeln.

In der Dokumentation muss mindestens enthalten sein:

  • die Beurteilung der Gefährdungen
  • die Festlegung konkreter Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Termine und Verantwortliche
  • die Durchführung oder der Bearbeitungsstand der Maßnahmen
  • die Überprüfung der Wirksamkeit sowie
  • das Datum der Erstellung / Aktualisierung

 

Prozess / Vorgehensweise

 

Wie sollte ein Betrieb vorgehen?

 

Planung

  • Einverständnis der Geschäftsleitung einholen, Vorgehen vereinbaren
  • Organisator mit Grundwissen in der Ermittlung psychischer Belastungen benennen
  • Betriebsrat und Präventionskräfte einbinden, ggf. eine Projektgruppe einrichten
  • Prozessschritte, Abfolge, Beteiligte und Zeitraum planen

Ermittlung und Bewertung

  • Erhebungsverfahren auswählen
  • die zu untersuchende Arbeitsbereiche festlegen, Mitarbeiter über Ziel, Ablauf und Ergebnisverwendung zu informieren
  • Erhebung und Bewertung durchführen

Maßnahmenfestlegung

  • Ergebnisse auswerten, Prioritäten setzen
  • Verbesserungsmaßnahmen vorzugsweise im Dialog mit Beschäftigten und Führungskräften erarbeiten, um die Akzeptanz zu erhöhen

Maßnahmenumsetzung

  • Ressourcen zur Verfügung stellen
  • Arbeitsorganisatorische Veränderungen mit Schulung oder Unterweisung begleiten bzw. die Möglichkeit schaffen, neu erworbene Kompetenzen am Arbeitsplatz zu üben und einzusetzen

Überprüfung und Erfolgskontrolle

  • Dokumentation
  • Umsetzung und Erfolg kontrollieren
  • Maßnahmen zur Fortführung und Prävention vereinbaren

TIPP: Informationen zum Vorgehen finden Sie in den Broschüren:

Richter / Friesenbichler / Vanis (2012) Psychische Belastungen - Checklisten für den Einstieg

 

 

Methoden / Instrumente

 

Welche Methoden / Instrumente bieten sich an?

Es gibt verschiedenste Methoden und Instrumente zur Ermittlung psychischer Belastungen. Sie unterscheiden sich z.B.:

  • in der Art der Datengewinnung (Beobachtung/Beobachtungsinterview, schriftliche Befragung per Fragebogen, moderiertes Gruppeninterview, Einzelinterview) und

 

  • in der Analysetiefe. Dabei gilt, je präziser die Aussagen sein sollen, desto mehr Fachwissen ist bei dem Nutzer des Verfahrens erforderlich.

Je nach betrieblicher Situation kann es erforderlich sein, in verschiedenen Arbeitsbereichen unterschiedliche Verfahren einzusetzen. Bei Sprachbarrieren oder einer zu geringen Mitarbeiteranzahl ist beispielsweise ein persönliches Gespräch oder Gruppeninterview einer schriftlichen Befragung per Fragebogen vorzuziehen.
 

Da die Art und Ausprägung psychischer Belastungen sehr unterschiedlich sind, ist es sinnvoll, die Ermittlung und Bewertung in zwei Stufen durchzuführen.

  1. In einem ersten Schritt sollten kritische Arbeitsbereiche oder Belastungsfaktoren eines Betriebs identifiziert werden. Dies erfolgt mit einem orientierenden Verfahren oder Screening-Verfahren wie dem Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse (KFZA).

 

  1. In einem zweiten Schritt werden die als kritisch identifizierten Arbeitsbereiche einer genaueren Analyse unterzogen, um Ursachen zu erkennen und Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation abzuleiten. Dies kann z.B. durch ein moderiertes Gruppeninterview, wie z.B. der Arbeitssituationsanalyse, erfolgen.

Eine Auswahl möglicher Instrumente finden Sie hier:
Toolbox: Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen Angebot der BAuA

 

 

Beispiele für Instrumente

 

Welche Beispiele für Instrumente gibt es in den unterschiedlichen Erhebungsmethoden?

 

Methode: Schriftliche Befragung
Beispiel: Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse (KFZA)

  • Fragebogen mit 26 Fragen (z.B. zu Handlungsspielraum, ganzheitlichem Arbeiten, sozialer Rückendeckung, passendem mengenmäßigen Arbeiten) zugeordnet zu den Aspekten Arbeitsinhalte, Ressourcen, Stressoren und Organisationsklima.
  • Auswertung: Erlaubt den Vergleich von Mittelwerten und Häufigkeitsverteilungen von Organisationseinheiten und Personengruppen.
  • Eingabe und Auswertung (für Gruppen mit einer Stärke zwischen 10-100) am PC möglich.
  • Den Fragebogen finden Sie hier.

Methode: Moderiertes Gruppeninterview
Beispiel:
Arbeitssituationsanalyse

  • Gruppeninterview im Mitarbeiterkreis einer Arbeitseinheit (8 bis 15 Teilnehmer und Teilnehmerinnen) mit externer Moderation, die Beteiligung erhöht die Akzeptanz.
  • Beeinträchtigende Faktoren werden ermittelt, gewichtet und praxisnahe Lösungsvorschläge erarbeitet.
  • Vertraulichkeit im Teilnehmerkreis vereinbaren!
  • Infos unter www.rp-darmstadt.de , www.rp-giessen.de , www.rp-kassel.de

Methode: Beobachtungsinterview
Beispiel:
Screening Psychischer Arbeitsbelastungen-Situation (SPA-S)

  • Das SPA-S ist ein „objektives Verfahren“ und beruht auf der Einschätzung von 37 vorgegebenen Merkmalen. Der Beurteiler muss entscheiden, ob diese jeweils für die Tätigkeit zutreffen.
  • Das SPA-S erfordert solide Kenntnisse über die zu beurteilende Arbeitssituation und das Ermittlungsverfahren selbst.
  • Informationen erhalten Sie hier.