Weihnachten mal ohne Führerschein

Für viele Autofahrer beginnt mit der vierten Adventswoche eine besonders beschauliche Zeit: Sie trennen sich für einen, zwei oder drei Monate von ihrer Fahrerlaubnis. Innerhalb von 24 Stunden verdoppelt sich in der Zentralen Bußgeldstelle beim Regierungspräsidium Kassel alljährlich die Zahl der eingehenden Dokumente. Zwischen 22 000 und 23 000 Führerscheine werden in Hessen jährlich eingezogen; am häufigsten und in Zusammenhang mit einem Bußgeld als Sanktion für zu schnelles Fahren in extremen oder wiederholten Fällen.

Zählen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZBS in den übrigen Wochen des Jahres täglich noch 80 bis 100 Führerscheine, die eingehen, so sind es an manchen Tagen in der Vorweihnachtszeit mehr als 300. Der Hintergrund: Vielfach werden Fahrverbote mit Schonfrist ausgesprochen. Das bedeutet, der Betroffene hat von da an vier Monate Zeit, die Fahrerlaubnis für die vorgesehene Fahrverbotsfrist bei der Bußgeldstelle abzugeben, wo er für diesen Zeitraum aufbewahrt wird. Das Fahrverbot wird also spätestens vier Monate nach Rechtskraft wirksam, und es beginnt mit dem Eingang des Führerscheins bei der Bußgeldstelle. Überdurchschnittlich viele Autofahrerinnen und –fahrer beginnen die Fahrverbotsfrist mit dem Weihnachtsurlaub.

Auf Platz zwei der bevorzugten Monate für den Verzicht auf den Führerschein zählen der Februar als kürzester Monat des Jahres sowie auf Platz drei die Ferienzeit im Sommer.
Hier zusammengefasst die fachlichen Informationen.


Fahrverbot
Ein Fahrverbot von 1 bis zu 3 Monaten wird bei groben oder beharrlichen Verkehrsverstößen festgesetzt.

Als grober Verstoß wird u. a. angesehen:

Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts um mehr als 30 km/h,

  • Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts um mehr als 40 km/h,
  • Unterschreitung des Abstandes von 2/10 des halben Tachowertes bei einer Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h,
  • Gefährdung oder Unfallverursachung beim Überholen trotz Verbot,
  • auf Autobahnen das Wenden, Rückwärtsfahren oder Fahren entgegen der Fahrtrichtung,
  • Rotlichtmissachtung bei Rotlichtdauer von mehr als 1 Sekunde oder Rotlichtmissachtung bei Gefährdung oder Unfallverursachung

Als beharrlicher Verstoß wird angesehen

  • Geschwindigkeitsüberschreitung von mindestens 26 km/h, wenn ein solcher Verstoß binnen eines Jahres nach rechtskräftiger Ahndung eines gleichartigen Verstoßes begangen wurde.

Ein Fahrverbot wird stets verhängt bei

  • Führen eines Kfz unter Atemalkoholwirkung von 0,25 mg/l oder mehr oder mit einer Blutalkoholwirkung von 0,5 Promille und mehr und
  • unter der Wirkung von anderen berauschenden Mitteln


WirkungdesFahrverbotes:

Vom Beginn der Wirksamkeit des Fahrverbotes bis zum Ablauf der Fahrverbotsfrist ist dem Betroffenenverboten,KraftfahrzeugeimStraßenverkehrzuführen.
Es gibt das

  • FahrverbotmiteinerSchonfristvonvierMonaten
    Wenn in den zwei Jahren vor der Verkehrsordnungswidrigkeit ein Fahrverbot gegen den Betroffenen nicht verhängt wurde, muss der Führerschein so rechtzeitig versandt werden, dass er spätestens vier Monate nach Rechtskraft des Bußgeldbescheides bei der Verwaltungsbehörde eingeht. Das Fahrverbot wird mit der Verwahrung, spätes­tens vier Monate nach Rechtskraft des Bußgeldbescheides wirksam.
  • FahrverbotohneSchonfrist
    Das Fahrverbot wird mit der Rechtskraft des Bußgeldbescheides wirksam. Der Füh­rerscheinistdannsofortinamtlicheVerwahrungzugeben.


Fahrverbotsfrist
Die Fahrverbotsfrist von 1 bis zu 3 Monaten bezeichnet die Zeitspanne, in der der FührerscheinvonderVerwaltungsbehördezuverwahrenist.
Die Verbotsfrist beginnt mit dem Eingang des Führerscheins bei der Verwaltungsbe­hörde. Postlaufzeiten werden auf die Verbotsfrist angerechnet, wenn sie länger als einen Tag dauern. Wird der Führerschein nicht rechtzeitig abgeliefert, so verlängert sichdasFahrverbotumdieZeitderVerzögerung.
Die Fahrverbotsfrist kann nicht in mehrere Abschnitte aufgeteilt werden.

Strafbarkeit
Wer während eines Fahrverbots ein Kraftfahrzeug führt, handelt strafbar.

Verwahrung
Der Führerschein wird von der Behörde verwahrt, die das Fahrverbot verhängt hat. Bei einem vom Gericht verhängten Fahrverbot verwahrt die Staatsanwaltschaft den Führerschein.
Wird das Fahrverbot vom Regierungspräsidium Kassel verhängt, so ist der Führerschein an die im Bußgeldbescheid angegebene Anschrift zu übersenden. Es empfiehlt sich, für die Übersendung ein Einwurf- oder Übergabeeinschreiben zu verwenden.

Kontakt Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Michael Conrad
Telefon: 0561 106 1010
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Am Alten Stadtschloss 1
34117 Kassel

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