Exoten und andere Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum

Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum! Und alle Jahre wieder geschieht es doch. Darauf weisen die Artenschützer beim Regierungspräsidium Kassel hin. Ein eigenes Haustier – das gehört oft zu den sehnlichsten Wünschen vieler Kinder.

In Zoogeschäften, Baumärkten und vor allem im Internet häufen sich die Verkaufsanzeigen für lebende „Weihnachtsgeschenke“. Spontane und unüberlegte Käufe bereiten oft nur kurze Freude an dem neuen Haustier, werden schlimmstenfalls aus Verzweiflung und Überforderung „entsorgt“. Heike Wiegand vom Artenschutzdezernat beim Regierungspräsidium Kassel rät daher dringend von diesen Geschenken ab, denn die Tiere haben außerhalb der menschlichen Obhut keinerlei Überlebenschance oder verfälschen gar die heimische Fauna. Neben Hunden, Katzen, Kaninchen oder Meerschweinchen finden sich zunehmend exotische und teils geschützte Arten wie Schildkröten, Reptilien oder Papageien und Sittiche auf den Wunschzetteln.

Viele Tierheime entscheiden sich genau in dieser Jahreszeit für einen Vermittlungsstopp, denn Tiere sind Lebewesen und keine Spielzeuge, Geschenke oder schmückendes Zubehör. Einem Tier ein Zuhause zu schenken, sei eine verantwortungsvolle Aufgabe. Das ist oft zeit- und kostenintensiv – und das nicht selten für viele Jahre. Vor allem die Haltung exotischer Tiere erfordert umfassende Sachkenntnis und die Haltung muss sehr speziell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Art ausgerichtet sein. Die Anschaffung von solchen Tieren müsse deswegen sorgfältig geplant werden. „Die Tiere haben einen Anspruch auf art- und verhaltensgerechte Unterbringung sowie eine angemessene Pflege auf Lebenszeit“, sagt Heike Wiegand.

Exotische Tiere sind häufig geschützt und die Haltung ist an die Erfüllung von Bedingungen geknüpft. Dazu gehört neben der artgerechten Haltung das Vorliegen der erforderlichen Papiere und die Anmeldung zur Registrierung bei der zuständigen Artenschutzbehörde. „In Deutschland genießt der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz Verfassungsrang“, wie Heike Wiegand erklärt. „Die Überwachung des Handels mit geschützten Tierarten stellt eine wichtige Säule im Artenschutz dar.“ Daher müssen sie auch registriert werden.
Im seriösen Zoohandel oder beim privaten Züchter ist darauf zu achten, dass stets ein Herkunftsnachweis oder bei streng geschützten Arten eine amtliche Bescheinigung (EG-Bescheinigung) ausgehändigt wird. Ohne diese unterliegen die Tiere einem Besitzverbot und können unter Umständen sogar eingezogen werden. Tiere aus zweifelhafter Herkunft dürfen gar nicht erst gekauft werden. „Wer leichtsinnig kauft, unterstützt unter Umständen den illegalen Handel mit Tieren oder Tierprodukten – und das ist kein Kavaliersdelikt“, mahnt Wiegand.

Das seit 1975 geltende Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) verbietet den Handel mit bedrohten Arten. Etwa 5000 Tierarten und rund 29.000 Pflanzenarten sind hierdurch aktuell geschützt.

Jüngst wurden zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten unter den Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gestellt. Darunter befinden sich beliebte Terrarienarten wie der Tokeh- und der Leopardgecko, die auf Reptilienbörsen sehr häufig als Nachzuchten zum Verkauf angeboten werden. Sie werden ab dem 14.12.2019 in die EU-Artenschutzverordnung aufgenommen und sind dann auch in Deutschland geschützt.
Wissen müssen Interessierte auch, dass die Haltung gefährlicher Tiere in Hessen verboten ist. Das trifft zum Beispiel auf einige Schlangen, Spinnen, Krokodile, Skorpione und Großkatzen zu. Eine „Überschneidung“ ist denkbar, denn geschützte Arten gelten teilweise zugleich auch als gefährlich.

Weitere Informationen zum Artenschutz und zur Haltung gefährlicher Wildtiere sind auf der Homepage des Regierungspräsidiums Kassel unter www.rp-kassel.de zu finden.

Was vorher zu klären ist:
Die Entscheidung für ein Haustier ist weitreichend. Dieser Verantwortung sollte man sich bewusst sein. Daher gilt:

  • Können Sie sich ein Tier zeitlich, räumlich und finanziell leisten?
  • Reden Sie mit Ihren Kindern, wenn sich diese ein Tier wünschen. Kinder verstehen die Dinge oft besser, als man denkt. Lassen Sie sich Zeit bei der Entscheidung ein Tier zu kaufen.
  • Informieren Sie sich über das gewünschte Tier: Handelt es sich um ein gefährliches oder geschütztes Tier?
  • Gehen Sie am besten zum seriösen Zoohandel: Dort erhalten Sie auch Informationen zur Haltung, den möglichen Folgekosten, zur Nahrung oder notwendigen Tierarztbesuchen.
  • Auch beim privaten Züchter müssen Sie auf einem Herkunftsnachweis bzw. auf einer amtlichen Bescheinigung (EU-Bescheinigung) bestehen. Wenn Ihnen solch ein Dokument nicht ausgehändigt wird, verzichten Sie bitte auf den Kauf.

Bildnachweis: RP Kassel/Hohmeister

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