Brombeermann und Bürgermeister lösen Versprechen bei Regierungspräsident ein

Eigentlich steigt der Brombeermann nur einmal im Jahr vom Hausberg der Wanfrieder hinab ins Werratal. Immer am zweiten Juliwochenende, wenn die Wanfriederinnen und Wanfrieder ihr Volks-, Schützen- und Heimatfest feiern, verlässt die Wanfrieder Symbolfigur die Taterslöcher, eine Höhlenformation auf 460 Höhenmetern unweit des Plessefelsens, in denen der Brombeermann zuhause ist. Im Juli übernimmt der Brombeermann dann für drei Tage die Regentschaft über die Stadt und erhält dazu symbolisch den Stadtschlüssel vom Bürgermeister.

In diesem Jahr ist das anders. Denn für den Brombeermann, der seit 1998 von Uwe Roth verkörpert wird, und Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard stand in dieser Woche eine ungewöhnliche Dienstreise auf dem Programm. Das Ziel war das Regierungspräsidium in Kassel. Gebhard und Roth lösten bei dem Besuch ein Versprechen bei Regierungspräsident Mark Weinmeister ein, der aus den Händen der beiden Besucher aus dem Werratal ein Körbchen mit frischen Brombeeren erhielt. Diese wurden Weinmeister im Rahmen seines Besuchs beim 454. Wanfrieder Vogelschießen im Juli versprochen, sobald diese reif sind. Einer Überlieferung zufolge soll Landgraf Moritz der Gelehrte bei der Übergabe der Stadtrechte im Jahr 1608 auferlegt haben, dass er von den Wanfriedern frische Brombeeren erwarte, wenn diese die entsprechende Reife vorweisen. Rund um Wanfried soll es zu dieser Zeit sehr viele Brombeeren gegeben haben. Die Wanfrieder haben diesem Umstand auch ihren Namen „Brombeermänner“ zu verdanken. Wenn der Kasseler Landgraf Moritz in Eschwege in seinem Schloss weilte und die Wanfrieder im Spätsommer die erwarteten Brombeeren per Fußmarsch anlieferten, sollen die Stadttorwächter von Eschwege gerufen haben „Macht die Tore auf, da kommen sie wieder, die Brombeermänner“. Von dieser Geschichte war Weinmeister so begeistert, dass er bei seinem Besuch des Brombeermannempfangs im Rahmen des diesjährigen Schützenfestes eine entsprechende Erwartungshaltung artikulierte. „Als heutiger Regierungspräsident von Kassel verstehe ich mich als Rechtsnachfolger von Moritz dem Gelehrten“, schmunzelte Weinmeister seinerzeit und entlockte mit dieser Aussage den Wanfriedern ein Versprechen. Der Brombeermann und der Bürgermeister verstanden den dezenten Hinweis und versprachen Weinmeister süße Beeren aus Wanfried, sobald sie reif sind. Sie sollen sogleich zu Marmelade verarbeitet werden, sicherte der Regierungspräsident jetzt bei der Übergabe zu. Brombeermarmelade und Brombeerwein hatten Gebhard und Roth dann auch noch für Mark Weinmeister im Gepäck, damit er die östlichste Kommune seines Regierungsbezirks stets in süßer Erinnerung behält.

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