Ökosysteme stärken – Natur- und WasserschützerInnen ziehen an einem Strang

Der Weltumwelttag der Vereinten Nationen am 5. Juni steht in diesem Jahr unter dem Zeichen der beginnenden UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Aus diesem Anlass weist das Regierungspräsidium (RP) Kassel darauf hin, dass in NordOstHessen schon seit Langem tatkräftig an der Verbesserung des Zustandes der hiesigen Ökosysteme, etwa von Bächen, Flüssen und Auen, gearbeitet wird.

Hierbei arbeitet die Obere Wasserbehörde (OWB) eng mit der Oberen Naturschutzbehörde (ONB) zusammen. Diese Kooperation innerhalb des RP Kassel als regionaler Bündelungsbehörde wurde in den vergangenen Jahren mit einer steigenden Zahl an Projekten ausgeweitet. So besteht eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe, in der strategische und operative Fragen erörtert werden und die gemeinsam beschließt, wie sich Projekte am besten finanzieren und umsetzen lassen. Anlassbezogen werden weitere Dezernate eingebunden, so etwa die Fischereibehörde oder der Bodenschutz. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Umsetzung von Renaturierungsprojekten ist zudem die vielfältige, vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit des Regierungspräsidiums mit Kommunen und Wasserverbänden als Umsetzungspartnern.

Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber zeigte sich erfreut, dass die Mitarbeitenden des RP Kassel abteilungsübergreifend erfolgreich zusammenarbeiten: „Am vorliegenden Beispiel zeigen sich die Vorteile einer Bündelungsbehörde, bei der Fachkompetenzen unterschiedlichster Bereiche unter einem Dach zusammengefasst sind. Kurze Wege und enge Abstimmung der Kolleginnen und Kollegen untereinander zeitigen erfreuliche Resultate“, so Klüber. „Der Klimawandel wird Politik und Gesellschaft weiterhin vor große Herausforderungen stellen. Umso wichtiger, dass die Fachleute wie hier am RP Kassel schon heute an tragfähigen Lösungen für die Zukunft arbeiten.“

Herausforderung Klimawandel

Und Arbeit gibt es für ONB und OWB genug: Denn die Klimaerwärmung beeinflusst Fließgewässer und deren Lebensgemeinschaften ganz erheblich. So sinkt mit steigenden Wassertemperaturen der Sauerstoffgehalt im Wasser. Das hat vor allem für jene Arten negative Auswirkungen, die eine geringe Toleranz gegenüber Sauerstoffdefiziten aufweisen. In Zukunft ist zudem in einigen Regionen Hessens bedingt durch den Klimawandel mit zunehmenden Hochwasserrisiken zu rechnen.

Das Land Hessen hat auf diese Herausforderungen reagiert: Bereits 2009 hat die Landesregierung das Programm „Synergie“ aufgelegt, das Maßnahmen zur Entwicklung naturnaher Gewässer finanziert, wenn mit diesen Maßnahmen gleichzeitig die Ziele von FFH-Gebieten verfolgt werden. In NordOstHessen hat das RP Kassel solche Synergie-Maßnahmen zusammen mit Kommunen in allen Landkreisen umgesetzt, Schwerpunkte der Umsetzung lagen in den Jahren seit 2012 in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder.
Besonders gut lassen sich die Erfolge der Maßnahmen an der Unteren Eder ablesen: Dort wurden in enger Kooperation mit Städten und Gemeinden rund 19 Kilometer Gewässerstrecke renaturiert. Die positiven Auswirkungen auf das Ökosystem liegen inzwischen klar vor Augen: Die Population des Eisvogels ist deutlich gewachsen, Rotauge, Hasel und Elritze siedeln sich in viel größerer Zahl als früher in der Eder an, die Äsche ist wieder stark reproduktiv – und der jahrzehntelang in der Unteren Eder oberhalb der Schwalm nicht mehr gesichtete Schneider wurde dort 2018 erstmals wieder festgestellt.

Neben den Synergie-Projekten werden auch im Rahmen des integrierten Klimaschutzplans (iKSP) Projekte finanziert, mit denen Biotopverbünde für klimasensible Arten geschaffen werden sollen. Das RP Kassel gestaltet dabei Maßnahmen zur Gewässerentwicklung so aus, dass diese gezielt dazu beitragen, Habitate von Klimaverlierern zu verbessern. Davon profitieren zum Beispiel Arten wie Bachmuschel oder Äsche. Ebenfalls im Rahmen des iKSP hat das RP Kassel Projekte konzipiert, um auentypische Lebensräume zu verbessern und Flussauen als Überflutungsflächen zu erschließen. Diese Maßnahmen sind nicht nur naturschutzfachlich wertvoll; renaturierte Gewässer beeinflussen oft auch die Wasserstände bei Hochwasser günstig und reduzieren so das Hochwasserrisiko.
Die „Leistungsbilanz“ der aufgelegten Programme kann sich sehen lassen:

  • Seit 2012 wurden im Regierungsbezirk an 15 Gewässern Maßnahmen im Rahmen des Synergie-Programms in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro finanziert. Aktuell befinden sich zudem 20 Projekte in Höhe von rund 8 Millionen Euro Bearbeitung.
  • Die Finanzierung von Maßnahmen aus dem iKSP ist seit 2018 möglich. Aktuell werden aus dem iKSP vom Regierungspräsidium Kassel 12 Projekte mit fachlichem Bezug zu Fließgewässern und Auen finanziert, die Projektkosten belaufen sich auf rund drei Millionen Euro.

Hintergrund
Zur Erinnerung an den Start der UN-Konferenz zum Schutz der Umwelt am 5. Juni 1972 in Stockholm wird jedes Jahr am 5. Juni der Weltumwelttag („World Environment Day“) mit Veranstaltungen und Aktionen auf der ganzen Welt begangen, mit denen für mehr Umweltbewusstsein geworben werden soll. Am Weltumwelttag 2021 fällt unter dem Motto #GenerationRestoration der Startschuss für die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Ziel ist, bedrohte oder zerstörte Ökosysteme wiederherzustellen und so einen Beitrag zu den Zielen der drei UN-Konventionen zu Klimawandel, Biodiversität und Wüstenbekämpfung sowie zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen zu leisten. Mehr Informationen finden Sie hier.

Anpassungen an den Klimawandel und Klimaschutz sind in allen Lebensbereichen, auch im Natur- und Gewässerschutz, notwendig. Die Obere Naturschutzbehörde und die Obere Wasserbehörde beim RP Kassel setzen Maßnahmen zum Schutz klimasensibler Arten und zur Sicherung und Entwicklung von Fließgewässern in NordOstHessen in enger Abstimmung um. Mehr Informationen finden Sie hier.

Pressekontakt
Katrin Walmanns
Telefon: 0561 106 1011
E-Mail: katrin.walmanns@rpks.hessen.de

Am Alten Stadtschloss 1
34117 Kassel

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