Ausgewählte Eindrücke von der diesjährigen Landesbereisung

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Unser Dorf

Unsere Dörfer haben Zukunft gezeigt ….

 

Dass unsere Dörfer Zukunft haben, hat sich auch im 35. Landeswettbewerb wieder gezeigt. Seit Beginn des Wettbewerbs 1958/59 wurde dieser stets weiter entwickelt und den aktuellen Anforderungen der ländlichen Räume angepasst. Die Ausrichtung des Wettbewerbs erfasst alle Bereiche des dörflichen Lebens. Besonderer Wert wird dabei auf das zukunftsgerichtete Denken und das bürgerschaftliche Engagement gelegt. Auf die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit wie die demografische Entwicklung, die Sicherung der Daseinsvorsorge, der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen oder die Einbindung des Ortes in die regionale Entwicklungen etc. reagieren die Dorfgemeinschaften mit viel Engagement und Entschlossenheit. Das Dorf als attraktiver Wohn-, Arbeits- und Lebensraum ist kein Traum sondern gelebte Realität. Die Menschen in den Orten beweisen in diesem Wettbewerb, dass Gemeinschaft stark macht und dass sie mit Ideen für die Heimat und die Zukunft ihres Dorfes ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen.

Global denken, lokal handeln:
Diese Devise gibt Identität und Selbstbewusstsein und schafft Weitsicht und Offenheit für nachhaltiges Handeln. Glücklicherweise ist immer mehr in der Bevölkerung angekommen, dass Ansätze einer ganzheitlichen und nachhaltigen Entwicklung im Vordergrund stehen und nicht auf kurzlebige Aktionen geschaut wird. Die Teilnehmer haben verstanden, dass es nicht darauf ankommt, sich allein um die äußere Schönheit eines Dorfes zu kümmern sondern vielmehr um den inneren Zusammenhalt, um die Stärkung gewachsener sozialer Strukturen und um die Aktivierung eines regen, vielfältigen Vereinslebens. Durch die große Begeisterung der Dorfgemeinschaften und die unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden vollbringen die Dorfbewohner großartige Leistungen, die der Allgemeinheit zugutekommen.

Der Dorfwettbewerb soll dazu beitragen, das Verständnis der Dorfbevölkerung für ihre eigenen Einflussmöglichkeiten zu stärken und die bürgerschaftliche Mitwirkung zu intensivieren. Aus diesem Grund wurden die Bewertungskriterien geändert: weg vom Verschönerungsaspekt - hin zu grundsätzlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität mit Blick auf die Bürgerschaftlichen und Wirtschaftlichen Aktivitäten.

Die Kommission berücksichtigte, ob sich die Dörfer in ihrer Vielfalt weiter entwickeln, ihre wirtschaftlichen Grundlagen verbessern und vor allem eine hohe Lebensqualität für die Bürgerschaft sicherstellen. Im Einzelnen bedeutet dies den individuellen Charakter des jeweiligen Ortes zu erhalten und die Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, sich im Dorf zu engagieren und aktiv an der Entwicklung ihres Dorfes mitzuwirken.

Ziel ist es zudem, eine lebenswerte Zukunft für die Kinder bereitzustellen, indem Raum für verschiedene Generationen und Gruppen geschaffen und ein Miteinander von Jung und Alt gefördert wird. Außerdem sollen die Wohn- und Arbeitsverhältnisse so verbessert werden, dass leerstehende Gebäude eine sinnvolle Umnutzung erhalten, der Ortskern als Zentrale erhalten und kleingewerbliche Betriebsbedingungen verbessert werden.

Ein darauf aufbauendes Ziel ist durch einen gepflegten Zustand im Dorf die wirtschaftliche Entwicklung durch gastronomische oder touristische Angebote zu fördern.

Der Schutz der natürlichen Ressourcen stellt ein weiteres, bedeutendes Ziel des Dorfwettbewerbs dar. Durch nachhaltige Energieversorgung oder Reduzierung des Flächenverbrauchs soll der Schutz der Natur gewahrt werden.

Im Mittelpunkt jedoch steht die Zusammenarbeit der Bürger und Bürgerinnen, in Form von ehrenamtlichen Arbeitsteams und Projektgruppen um lang- und kurzfristige Ziele zu erreichen, die selbstverständlich nur in enger Zusammenarbeit mit der Kerngemeinde bzw. Stadt angegangen werden können. Nur durch ihre Aktivität und Übernahme der Verantwortung zu einer zukunftsorientierten Entwicklung des Dorfes, können diese Ziele umgesetzt werden. In diesem Jahr waren zahlreiche Teilnehmerorte darauf eingestellt.

In vielen Orten wurden inzwischen Bürgerbefragungen und Freiwilligentage vorgefunden. Konkrete Beispiele, wie mit dem wachsenden Defizit in den kommunalen Haushalten umzugehen ist, gibt es vielfach. Sie sind entweder das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit der Gemeinde/Stadt oder werden in Eigeninitiative organisiert.
Interessant war das Bewusstsein in einigen Orten, dass nicht alles im Ort vorgehalten werden muss, sondern man durchaus einen Gewinn erzielt, wenn man frühzeitig mit den Nachbargemeinden kooperiert.

Viele Orte richteten ihr Augenmerk auch auf die Situation der Kinder und Jugendlichen im Ort. Beeindruckende Strukturen der Zusammenarbeit zwischen Elternschaft, Kirchen, Vereinen, Kindergarten und Schulen wurden uns präsentiert. Ziel war durchgängig, im dörflichen Lebensraum viele soziale und familienfreundliche Angebote vorzuhalten um einer möglichen Abwanderung vorzubeugen. Zu beobachten war ein enger Austausch zwischen den Generationen und der Zusammenführung von Erfahrungs- und Fachwissen.

Sehr positiv hat sich in diesem Jahr die Auslobung des Sonderpreises „Jugend im Dorf“ ausgewirkt. Hier wurde eine Bevölkerungsgruppe betrachtet, die eine besondere Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der Dörfer hat. Die Fragestellung richtete sich auf die Aktivitäten, wie die Jugendlichen in das Dorf- und Vereinsleben integriert und an das Dorf gebunden werden. Gibt es Mitwirkung der Jugendlichen? Welche Beiträge leisten Jugendlichen für den Ort? Werden Ihnen überhaupt Aufgaben übertragen?

Selbstverständlich richtete sich der Blick der Kommission auch auf die unmittelbar sichtbaren Merkmale der Dörfer, also auf ihre bauliche und grünordnerisch-ökologische Entwicklung. Die Bewertung setzt sich zum einen aus der großen Anzahl von visuellen Eindrücken zusammen. Jedes Kommissionsmitglied „speichert“ neben den Ausführungen Bilder ab, die Hinweise auf Materialverwendung, handwerkliche Ausführung, Farbgebung, Oberflächenausbau, Maßnahmen zum Arten- und Biotopschutz, Gartengestaltung, Baumpflege und vieles mehr lieferten. Zum anderen fließen aber auch alle konkreten Projekte des Ortes und der Kommune ein, deren Ziele in der mittelfristigen Steuerung der Bau- und Grünentwicklung liegen. Diese können z.B. ortspezifische Gestaltungs- und Grünfibeln, die Herausstellung besonders positiver Beispiele durch Ortstafeln, thematisch angelegte Lehrpfade etc. sein. Sinngemäß stehen diese Maßnahmen unter der Überschrift: Wir schaffen Beispiele und machen sie öffentlich. Vielleicht geben sie anderen im Ort Orientierung und regen zur Nachahmung an.

Da die Zeit erfahrungsgemäß nicht reicht, alle Schätze und Besonderheiten vorzustellen, haben die meisten Orte großen Wert auf eine effektive Informationsbereitstellung gelegt. Schließlich müssen in schneller Abfolge diverse Informationen strukturiert vermittelt werden. Hierzu wurden Drehbücher, Broschüren, Filme und zahlreiche Ausstellungen entworfen und zusammengestellt. Allein von dem damit verbundenen Arbeitsaufwand zeigte sich die Kommission tief beeindruckt; ganz zu schweigen von der Professionalität der Darstellung. Es ist gut und auch beruhigend zu wissen, dass diese umfassenden Aufbereitungen örtlicher Entwicklungen auch über den Bereisungstag hinaus ihren Platz im Ort finden.

Letztendlich schon durch die Teilnahme am Wettbewerb, so war in allen Dörfern festzustellen, hatten sich Initiativen entwickelt und wurden Maßnahmen umgesetzt.

Alle Beteiligten sehen in der Fortsetzung des Dorfwettbewerbs ein geeignetes Instrument zur Weiterentwicklung der Dörfer durch Aktivierung der Bürgerinnen und Bürger. Wir, die Kommission, wünschen uns abschließend, dass nicht nur wir sondern auch andere Orte und Kommunen den Weg zu den Teilnehmern des Landesentscheides suchen. Wir sind sicher: Auch Sie werden begeistert sein und die eine oder andere Anregung mit nach Hause nehmen.

Weitere Infos zum Landesentscheid 2015

Alle Sieger des Regionalentscheides 2014 der Gruppen A und B nahmen am Landesentscheid 2015 teil. Insgesamt traten 16 Orte aus acht Regionen gegeneinander an. Die Durchführung des Landeswettbewerbes liegt beim Regierungspräsidium Kassel.

Der hessische Dorfwettbewerb eröffnet Ortsbewohnerinnen und Ortsbewohnern aber auch den Kommunen die Möglichkeit, ihre Ansätze zur Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität im Dorf vorzustellen. Nach dem erfolgreichen Abschneiden im Regionalentscheid 2014 handelt es sich also um einen Wettstreit auf höchstem Niveau.

Die Voraussetzungen der Bewertung sind jedoch nicht einfach. Ist doch jeder Ort einmalig hinsichtlich seiner Ausgangslage und seinen Aktivitäten. Dieses begründet sich u.a. aus der geografischen Lage, der kulturgeschichtlichen Entwicklung und aus den aktuellen wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen. Darüber hinaus unterscheiden sich die Orte hinsichtlich der Einwohnerzahlen, Gemarkungsgröße und der Zusammenarbeit mit der jeweiligen Kommune. Der hessische Dorfwettbewerb stellt die Frage, wie die Bewohnrinnen und Bewohner den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart mit dem Blick auf die Zukunftsgestaltung herstellen. Engagement und Ehrenamt stehen dabei besonders im Fokus der Bewertungsbetrachtung.

Die Kommission bewertet die Orte in zwei Gruppen. In der Gruppe A befinden sich die Orte, die aus den Programmen der Dorfentwicklung oder der Städtebauförderung gefördert wurden. Alle anderen treten in der Gruppe B an.
Es werden in jeder Gruppe drei Preise vergeben. Der 1. Platz ist mit 5.000 €, der 2. und 3. Platz mit bzw. 2.000 € dotiert. Erstmalig wurde der Sonderpreis „Jugend im Dorf“ mit 1.000 € vergeben. Alle teilnehmenden Orte erhalten darüber hinaus eine Urkunde.

Ehrung der Teilnehmer
Die Ehrung aller Teilnehmer findet am 11. Oktober 2015 in der Stadthalle in Melsungen statt. Die Einladung finden Sie ab Mitte September unter Dorfwettbewerb/Aktuelles.

Bundeswettbewerb 2016
Der Hessische Landesentscheid bietet für die Teilnehmer die Möglichkeit sich für den kommenden Bundesentscheid zu qualifizieren. Dieses sind 2016 Meißner-Germerode und Oberweser-Oedelsheim.