Forum RP am 08.11.2019

Das „Kursbuch“ für die Zukunft NordOstHessens wird der nächste Regionalplan sein.

Im Zentrum der Regionalplanung steht die Frage, wie wir in zehn oder zwanzig Jahren leben werden: Familie, Wohnen und Arbeiten, demographischer Wandel, Wirtschaft, Verkehr, Kommunikation, Energiewende und Klimawandel - die Zukunft hängt davon ab, wie die Verantwortlichen gemeinsam mit den Städten, Gemeinden und Landkreisen sich den aufkommenden Fragen stellen und welche Antworten darauf gefunden werden.

Auf dem gut besuchten „Forum RP Daseinsvorsorge 2030 am 8. November 2019 in Kassel wurde zentral die Frage diskutiert „Wie versorgen wir uns im Jahr 2030?“ und wie verändern sich in diesem Zusammenhang unserer Lebensadern und Lebensmittelpunkte.

Regierungspräsident Herrmann-Josef Klüber machte in seiner Begrüßungsrede deutlich, dass die Fragen dieselben geblieben seien, dass was sich geändert hätte, seien die Antworten. Demographischer Wandel, Digitalisierung und Mobilität würden in den nächsten Jahren große Veränderungen hervorrufen. Es sollte alles getan werden, diese Veränderungen aktiv mitzugestalten und die Verantwortlichen sollten auch den Mut haben, sich den Fragen zu stellen, die sich aus den Veränderungen ergeben. 

Frau Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, appellierte an alle Akteure, den bevorstehenden Änderungsprozess aktiv mitzugestalten. Besonders der ländliche Raum werde durch das Fortschreiten der Digitalisierung gestärkt werden. Lebensadern und Lebensmittelpunkte müssten so umgestaltet werden, dass sie einen Vorteil für die Menschen bringen. Die Gestaltungsaufgabe der Digitalisierung müsse von uns allen verantwortungsvoll umgesetzt werden – zum Wohle der Bürger. Das Mitgestalten sollte sich dabei nicht nur auf den monetären Aspekt beziehen, vielmehr sollte auch der Dialog mit Landkreisen und Kommunen gesucht werden, um diese beim Gestaltungsprozess mit einzubinden.  

Herr Rachid Ait Bouhou, BEM/Bundesverband eMobilität e.V., informierte, dass es zurzeit ca. 23.000 Ladestationen in Deutschland gebe. Bis zum Jahr 2023 sollen es 1 Millionen Ladestationen sein. Prozesshemmend sei jedoch dabei, dass das Einrichten von Ladestationen zwar öffentlich gefördert werde, die Förderanträge aber viel zu kompliziert seien – große Konzerne würden sich ihrer Rechtsabteilung bedienen, Kommunen seien mit der Antragstellung total überfordert! Ein weiteres Problem derzeit sei, dass die Versorger mit den Ladestationen noch kein Geld verdienen könnten. Dies werde in 5-8 Jahren sicherlich anders sein. Auch die aktuelle Batterietechnik sei noch verbesserungsfähig. Trotz der angesprochenen Hemmnisse seien vor allem die privatwirtschaftlichen Ladeinfrastruktur-Aktivitäten steigend. An großen Einkaufszentren/Einkaufsmärkten wie IKEA, SORTIMO, LIDL, ALDI würden immer mehr Ladestationen eingerichtet.

Herr Martin Weißhand, Fachzentrum für Mobilität im ländlichen Raum beim Nordhessischen Verkehrsverbund NVV, führte aus, dass der Anschluss ländlicher Regionen an die Metropolen und Oberzentren ein entscheidender Baustein zur Entwicklung zukünftiger Infrastrukturen außerhalb der großen Städte sei. Die Mobilität innerhalb des ländlichen Raums sei ein wichtiger Faktor zur besseren Erreichbarkeit bestehender Bildungs-, Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen kleinerer Kommunen. Ob urbaner Raum, städtisches Umland oder dörfliche Region, die Integration sämtlicher Mobilitätsformen zu einem schlüssigen Gesamtkonzept funktioniere aber nur, wenn die relevanten Schnittstellen erkannt und mit Bedacht aufeinander abgestimmt würden. Beispielhaft für Mobilität im ländlichen Raum nannte er die Bürgerbus-Förderung in Hessen, die Einrichtung von on-demand-Verkehren, Carsharing sowie die Mitfahrerbänke.

Herr Wolgang Gröll, Vorsitzender der Vereinigung der Bürger- und Dorfläden in Deutschland e.V., sieht die Dorfläden - und mit ihnen die Dörfer -  als Trendsetter! Dörfer lebten den Städten und Stadtteilen vor, wie es gelänge, mit der eigenverantwortlichen Wahrnehmung von Aufgaben die nötigen Strukturen zu erhalten und Impulse für ein intaktes Gemeinwesen sowie sozialen Zusammenhalt zu setzen. Dorfläden gingen dabei voran, verfolgten das Prinzip der Regionalität schon seit 20 Jahren und hätten vor allen anderen mit dem Verkauf via Internet begonnen. Dorfläden seien „Demokratie pur, gelebte Wirtschaftsdemokratie“. Dorfläden und ihre Konzepte würden angenommen, man müsse es den Menschen nur erklären und diese mit einbinden!

Herr Dr. med. Frank Klein, Hausarzt aus Schenklengsfeld, beobachtet seit langem, wie die Gesellschaft altert und wie mit dem Altern die Beeinträchtigungen zunehmen. Klein sprach von Vereinsamung und sogar von Verelendung, die daraus folgten. Ärztlich-medizinisch habe er keine Möglichkeit zu intervenieren, denn Einsamkeit sei keine Krankheit. Um immer mehr ältere Patienten adäquat versorgen zu können, bildete Klein medizinisches Fachpersonal aus - VerAH = VersorgungsAssistentin in der Hausarztpraxis. Die VerAH´s seien Ansprechpartner in der Praxis und übernehmen anstelle des Hausarztes auch Routine-Hausbesuche. Weiterhin wurde ein Gemeindekümmerer/in/Gemeinde-Sozial-Lotse/sin. engagiert. Dieser/diese sei Anlaufstelle bei Fragen rund um Betreuung, häusliche Versorgung, Tagespflege und sei gleichzeitig Schnittstelle zu den VerAH`s sowie verantwortlich für Präventionsangebote.

Herr Claus Spandau, Kommunales Beratungszentrum Hessen – Partner der Kommunen,  berichtete über die Arbeit des kikz – Kompentenzzentrum für interkommunale Zusammenarbeit. In den letzten 10 Jahren seien 330 Projekte mit 22 Millionen Euro vom Land Hessen gefördert worden. Als Beispiele für geförderte Kooperationen nannte er die über 60 Fusionen von Ortsteilfeuerwehren mit rund 1560 Ortsteilen,6 Gemeindeverwaltungsverbände sowie 2 freiwillige Gemeindezusammenschlüsse: Oberzehnt und Wesertal. Wichtig bei der interkommunalen Zusammen-   arbeit sei, dass diese gewollt sein müsse – ebenso müsse der Wille zur Umsetzung bei den beteiligten Partnern vorhanden sein. Nur dann könne eine Qualitätssteigerung, die Aufrechterhaltung des Dienstleistungsangebots, die Reduzierung der Kosten und die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit gewährleistet werden, was wiederum zur Stärkung der Region führe.

Abschließend resümierte Herr Regierungspräsident Klüber, dass Daseinsvorsorge  zukünftig eine gewichtigere Rolle spielen werde. Alle Verantwortlichen müssen sich damit beschäftigen, wie sich unsere Lebensadern und Lebensmittelpunkte verändern, und wie dieser Wandel lebenswert gestaltet werden kann. Wichtig sei es, mit allen Beteiligten dieses Prozesses im Gespräch zu bleiben. Nur gemeinsam könnten neue Wege für neue Herausforderungen geschaffen werden.   

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