2018: Frauen, Ihr dürft wählen! 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

Am 08.03.2018 feierte das Regierungspräsidium Kassel im Rahmen des Internationalen Frauentages das 100-jährige Jubiläum zum Frauenwahlrecht.

Die Politikwissenschaftlerin Frau Dr. in Dölle von der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel rief dazu in Ihrem Vortrag mit dem Titel „Frauen, Ihr dürft wählen! – 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ für alle Teilnehmenden der Veranstaltung den Kampf um die politische Mündigkeit der Frauen in Erinnerung. Mit einer Zeitreise bis in 19. Jahrhundert ging sie auf den beschwerlichen Weg, die zahlreichen Debatten und Aktionen sowie den unermüdlichen Einsatz der ProtagonistInnen zur Erlangung des aktives und passives Wahlrechts der Frauen ein. Frau Dr. in Dölle unterstrich damit, dass nichts selbstverständlich ist, was die Stellung der Frau heute betrifft. Zugleich betonte sie die Verantwortung der Gesellschaft, die ihr auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts auf dem Weg zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern immer noch zukommt.

Dass die gleichstellungspolitische Realität noch in vielen Bereichen eine ungleiche Sprache spricht und die Notwendigkeit zur Auseinandersetzung besteht, wurde im Rahmen der Veranstaltung mit der Ausstellungseröffnung „Feminismus hat viele Stimmen“ deutlich gemacht. Die Beschäftigten des Regierungspräsidiums Kassel waren in Vorbereitung auf diese Ausstellung dazu aufgerufen, die Frage zu beantworten: Warum Feminismus – als die Bewegung, die in ihren Anfängen ein Frauenstimmrecht forderte – ihre Stimmen verdient. Auch die ehemalige Justizministerin Frau Dr. in Katarina Barley und der ehemalige Hessische Sozialminister Stefan Grüttner beteiligten sich neben vielen weiteren Personen an dieser Aktion. Mit weit mehr als 100 ausgestellten Statements und persönlichen Bildern der Beschäftigten wurden die Wünsche nach Chancengleichheit, nach mehr Respekt und Anerkennung dem weiblichen Geschlecht gegenüber sowie die Forderung zum Ablegen von Geschlechterklischees und Vorurteilen laut. Zugleich kamen negative Aspekte unserer Gesellschaft wie Sexismus, die Gewalt und Unterdrückung von Frauen, die ungleiche Bezahlung in vielen Berufszweigen unserer Gesellschaft und die oftmals nicht gegebene Teilhabe der Frauen an Führungspositionen zur Sprache. Mit der Vielzahl und Vielfalt der abgegebenen Statements wurde deutlich: Feminismus hat viele Stimmen – Stimmen, die fernab von Vorurteilen und Klischees, ihre volle Stimmberechtigung finden. Denn auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts können wir in vielen Bereichen noch nicht von einer gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Gleichheit der Geschlechter sprechen.

Auch in Bezug auf die Sprachgestaltung finden sich Frauen oft nur als „Mitgemeinte“ in Texten und Aussagen wieder. Der zweite Teil der Ausstellung im Regierungspräsidium Kassel machte somit deutlich, dass eine ungleiche Sprache – 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts – nicht mehr angemessen ist. Mit Bildern, Videobeiträgen und einem Flyer zur gendergerechten Sprache wurde zum Ausdruck gebracht, dass „Mitmeinen“ nicht ausreichend ist, wenn ALLE angesprochen werden sollen.

Die Bildergalerie dazu finden Sie hier.

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