Gustav Springorum

Regierungspräsident Gustav Springorum, aus einer Dortmunder Familie stammend, aber als Beamtensohn im Rheinland aufgewachsen, war im Regierungsbezirk nicht unbekannt, als er am 11. Oktober 1919 zum Regierungspräsidenten ernannt wurde.

 

Nach Vollendung des juristischen Studiums und der Ausbildungszeit für den höheren Verwaltungsdienst hatte er in seiner rheinischen Heimat und bei der Regierung in Erfurt gewirkt.

 

Acht Jahre Tätigkeit als Landrat in Waldbroel lagen bereits hinter ihm, als er mit der Vertretung des erkrankten Landrates in Fulda im Jahre 1903 beauftragt wurde und in dieser Stellung seine erste Bekanntschaft mit den Verhältnissen des Regierungsbezirks Kassel machte. Hier gelang es ihm, dem Evangelischen, der sich in seiner Jugend den Anfängen des theologischen Studiums gewidmet hatte, und der auch im katholischen Fulda aus seinem evangelischen Bekenntnis kein Hehl machte, sich binnen Jahresfrist das Vertrauen der katholischen Kreisbevölkerung zu erwerben. Daher wurde er im Jahre 1904 mit dem Einverständnis des Kreises zum dortigen Landrat ernannt.

 

Während seiner Tätigkeit im Rheinland hatte er Gelegenheit gehabt, in enge Berührung mit Fragen der Landwirtschaft und der Industrie zu kommen. Er hatte sich dabei Verdienste erworben, die sowohl durch die rheinische Landwirtschaftskammer als auch durch die Handelskammer in Bonn anerkannt wurden. Auch in Fulda galt sein Interesse ähnlichen Fragen, aber auch zugleich den Angelegenheiten der Kirchenpolitik und des Schulwesens.

 

Seine Vertrautheit mit wirtschaftlichen Angelegenheiten war wohl die Ursache für seine Berufung nach Wiesbaden im Jahre 1912, als dort auf Grund des Gesetzes von 1911 das Oberversicherungsamt begründet wurde. Als Oberregierungsrat und Leiter dieses Amtes war Springorum von 1912 ab dort tätig, gegen Ende seiner Tätigkeit in Wiesbaden war er Dirigent der Präsidialabteilung und damit zugleich Vertreter des Regierungspräsidenten. Sein mannhaftes Auftreten gegen den rheinischen Separatisten Dorten brachte ihn in Schwierigkeiten mit den Besatzungsstellen und trug ihm die Ausweisung aus dem besetzten Gebiet ein.

 

In diesem Augenblick berief ihn das Ministerium auf den Posten des Regierungspräsidenten in Kassel. Springorums Amtstätigkeit fällt in die Periode der wirtschaftlichen und politischen Wirren der ersten Nachkriegsjahre. Ernährungsschwierigkeiten, Arbeitslosigkeit, Ausstände und Streiks, Revolution im Kapp-Putsch und örtliche politische Auseinandersetzungen, Inflation mit zuletzt täglich in ungeahntem Maße steigender Entwertung des Geldes, Rhein-landbesetzung und passiver Widerstand an der Ruhr, Verwaltungsreorganisation und Reichsreform, diese Schlagworte allein bezeichnen den ungefähren Umfang der Schwierigkeiten, unter denen sich Springorums Amtsführung vollzog.

 

Es bedurfte der heimischen westfälischen Zähigkeit und rheinischen Verbindlichkeit, um in all diesen Schwierigkeiten immer wieder am rechten Orte das rechte Wort des Ausgleiches zu finden, neu auftauchende Gefahren vielleicht von Anbeginn durch geeignete Maßnahmen zu bannen. Neben den täglichen Forderungen, die sein Amt an ihn stellte, fand er noch Zeit sich Dingen zu widmen, die ihm am Herzen lagen. In den Verbänden der evangelischen karitativen Vereine und der Inneren Mission hat er von seiner Waldbroeler Landratszeit an bis an sein Lebensende an wichtigen Stellen mitgewirkt.

 

Er hat in dieser Weise ein Streben aus seinen jungen Jahren stetig weiterverfolgt, als er noch beabsichtigte, an den Arbeiten Bodelschwinghs sich hauptamtlich zu beteiligen. In seinem Amte widmete er sich mit besonderer Liebe den Aufgaben der Jugendpflege, der Förderung von Sport und Wandern, vor allem für die schulentlassene Jugend. Seiner Unterstützung verdankten die Jugendverbände den Ausbau der Burg Ludwigstein zur Jugendburg. Die Arbeitslast seines Amtes bewältigte er bei einer nur schwachen Gesundheit, die in den Jahren nach 1923 immer stärker Zeichen des Kräfteverfalls erkennen ließ. Nach seiner frühzeitigen Pensionierung zum 31. Januar 1926 ist er im April 1927, fast völlig erblindet, in einem Berliner Krankenhause gestorben.

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