Dr. Fritz Hoch

Die Aufgabe, die dem neuen Regierungspräsidenten Dr. Fritz Hoch im Jahre 1945 gestellt wurde, war wohl schwieriger, als sie je einer seiner Amtsvorgänger zu meistern gehabt hatte. Die Dienstlokale der Behörde waren zerstört und die Arbeitsunterlagen in ihrer Masse verlorengegangen. Das eingearbeitete Personal war durch die Folgen der Evakuierung, der Kriegsgefangenschaft und der Entnazifizierung in seiner Zahl weitgehend reduziert.

Das zu verwaltende Gebiet wurde mehr und mehr mit Flüchtlingen überschwemmt, seine Wirtschaft war in fast völligen Stillstand geraten, die Industriebetriebe zum großen Teil zerstört oder als Rüstungsbetriebe zur Demontage bestimmt, die Bezirkshauptstadt so gut wie vernichtet. Arbeitslosigkeit und Hunger, Zerreißung der Verkehrsverbindungen, Geldzerrüttung und Gleichgültigkeit der Menschen gegen Recht und Gesetz bedrohten die Reste staatlicher Gemeinschaft, die den Zusammenbruch überstanden hatten.

 

Neuaufbau auf allen Gebieten war die Forderung der Stunde: Verwaltung, Arbeit, Wirtschaft, Ernährung, Wohnung, Verkehr, Gesundheitswesen, Schulen. Die Frage der Stellvertretung des Behördenchefs war für den inneren Geschäftsbetrieb der Regierung schon wesentlich, bevor die Trennung der Geschäfte von Oberpräsidium und Regierung erfolgt war. Solange der Oberpräsident formal die Leitung der Regierung innehatte, konnte er in Fällen der Abwesenheit des Regierungsvizepräsidenten die Führung aller Geschäfte persönlich übernehmen und hat dies auch getan. In Ausnahmefällen beauftragte er einen der drei Oberregierungsräte und Abteilungsleiter mit der Wahrnehmung der speziellen Vertretungsgeschäfte.

 

Eine neue Regelung ständiger Vertretung erfolgte durch das Landesverwaltungsgesetz vom Jahre 1883. Dort wurde der Oberregierungsrat, der dem Regierungspräsidenten beigegeben war, der Dirigent der Abteilung 1, mit dieser Aufgabe betraut. Im Verhinderungsfalle trat einer der anderen Oberregierungsräte der Regierung an seine Stelle. Die grundsätzliche Regelung vom Jahre 1883 blieb bis über das Ende der preußischen Verwaltung hinaus erhalten. Allerdings verlieh die preußische Besoldungsordnung vom Jahre 1924 den Oberregierungsräten bei den Regierungen als 1. Stellvertretern des Regierungspräsidenten die Amtsbezeichnung eines Regierungsvizepräsidenten.

 

Die Bindung zwischen dem Amt des ständigen Stellvertreters und der Leitung der alten Abteilung I erlosch bei der Regierung in Kassel erstmals im Jahre 1947, als der damalige Regierungsdirektor Dr. Wiechens endgültig die ständige Vertretung des Präsidenten übernahm. Nach seinem Ausscheiden im Jahre 1949 blieb der Posten zunächst unbesetzt, wohl wegen der damals noch in Gang befindlichen Diskussion über die eventuelle Aufhebung der staatlichen Mittelinstanz. In den Jahren 1952/53 war der bisherige Leiter der Abteilung III, Regierungsdirektor Ratjen, mit Beibehaltung seiner alten Amtsbezeichnung, als ständiger Vertreter und zugleich als Leiter der Präsidial-abteilung bestellt. Sein Amtsnachfolger Strack war zunächst noch als Regierungsdirektor zugleich Leiter der Abteilung I, wurde dann aber zum 1. April 1954 zum Regierungsvizepräsidenten ernannt. Mit der Konsolidierung der staatlichen Mit-telinstanz durch die Gesetzgebung der Jahre 1952/53 war nun auch die Wiedereinführung der preußischen Amtsbezeichnung verbunden. Nach dem Ausscheiden Stracks wurde der Leiter der Präsidialabteilung, Schneider, zugleich zum ständigen Vertreter im Jahre 1955 ernannt und erhielt 1956 die Amtsbezeichnung eines Regierungsvizepräsidenten.

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