Anton Rothe

Regierungspräsident Anton Rothe wurde am 11. März 1887 nach Kassel versetzt. Rothe gehörte offensichtlich der streng konservativen Richtung an und stand in einem lebendigen Verhältnis zur Kirche. Wie er selbst berichtet, hatte er in Berlin als Gemeindeältester wirksam Anteil genommen an der Erbauung der Heiligen-Kreuz-Kirche.

 

Wegen seiner konservativen Haltung verdächtigte ihn der sozialistische ,Thüringer Hausfreund", allem Anschein nach zu Unrecht, des Versuchs der Wahlbeeinflussung in seinem früheren Amtsbezirk.

 

Rothes Wirken in Hessen fällt in die Jahre des verschärften Kampfes gegen die Sozialdemokratie kurz vor der Aufhebung des Sozialistengesetzes und zugleich in die Zeit der ersten großen Wahlerfolge dieser Partei, wie auch der wachsenden Bedeutung der agrarsozialen-antisemitischen Strömungen.

 

So war die Versetzung Rothes nach Kassel sicherlich keine Verlegenheitslösung, sondern im Sinne der Stärkung der Staatsautorität gedacht. Den sozialen Fragen brachte Rothe politisches Verständnis engegen, wie seine Bemühungen um den Wucherverein und die Einrichtung der Raiffeisenkassen, seine Teilnahme an Tagungen des Deutschen Herbergenvereines zeigten.

 

Am 15. Juli 1893 wurde Rothe zum Direktor im Reichsamt des Innern ernannt. Er hatte sein Kasseler Amt schon mehr als ein halbes Jahr zuvor verlassen, um eine interimistische Tätigkeit im Reichsamt zu übernehmen. Zuletzt wirkte er dort als Unterstaatssekretär und stellvertretender Bundesratsbevollmächtigter mit dem Titel eines kaiserlichen Wirklichen Geheimrats.

 

Im Jahre 1903 hatte er seinen Wohnsitz im Ruhestande nach Kassel, in die Stadt seiner früheren Regierungspräsidententätigkeit, verlegt und ist dort im Jahre 1905 gestorben.

Hessen-Suche